Posted in: Geologie 9. Dezember 2009 19:00 Weiter lesen →

Sturzflut ins Mittelmeer

Höhenkarte des Mittelmeerbodens und des umgebenden Lands Als vor etwa 5,3 Millionen Jahren der Atlantik in das trockengefallene Mittelmeer überlief, kam es zu einer Sintflut biblischen Ausmaßes. Zu diesem Schluss kommen spanische und französische Geowissenschaftler nach der Analyse von Messdaten und Modellrechnungen. Pro Sekunde strömten demnach bis zu 100 Millionen Kubikmeter Wasser durch einen immer tiefer werdenden Kanal zwischen Nordafrika und der Iberischen Halbinsel.

Grafik: NASA

Nach einem zögerlichen Beginn dürfte der Wasserspiegel östlich von Gibraltar um bis zu zehn Meter pro Tag gestiegen sein, schätzen die Forscher um Daniel Garcìa-Castellanos vom Geowissenschaftlichen Institut des spanischen Forschungsrates. Unabhängig von der Beschaffenheit der Landbrücke, dürfte der Großteil des Volumens in höchstens zwei Jahren aufgefüllt worden sein, schreibt die Gruppe im Magazin „Nature“.

Für ein weitgehend trockengefallenes Mittelmeer sprechen unter anderem gewaltige Ablagerungen von Salz und Gips. Zudem haben Flüsse wie Rhône und Nil einst Täler in den Meeresgrund gegraben, die heute bis zu 2.500 Meter unter der Wasseroberfläche liegen. Das Ende dieser „Messinischen Salinitätskrise“ kam, als der Atlantik über die Landbrücke bei Gibraltar trat.

Garcìa-Castellanos und Kollegen gingen der Frage nach, wie rasch sich das Mittelmeer wieder füllte. Die von ihnen untersuchten Bohrkerne und seismischen Profile lassen vermuten, dass damals Wasser auf einer Breite von mehreren Kilometern über die Schwelle zwischen Atlantik und Mittelmeer trat. Im Laufe der Zeit schnitt die Erosion einen bis zu 650 Meter tiefen Kanal in den Untergrund und arbeitete sich dabei auch nach Westen vor, sodass die Stelle der geringsten Meerestiefe heute gut 40 Kilometer westlich von Gibraltar liegt.

Dieser Prozess dürfte in mehreren Phasen abgelaufen sein, ergaben die Modellrechnungen der Forscher. Die Flutung begann demnach sehr langsam, nahm im Laufe der Zeit jedoch exponentiell an Geschwindigkeit zu, indem das Wasser allmählich die Schwelle bei Gibraltar erodierte und so an Kraft gewann. In dieser Phase erreichte der Wassereinstrom sein Maximum, bevor er durch das Steigen des Wasserspiegels und die Verkürzung der Gefällestrecke wieder gebremst wurde.

Erst mit dem Überlaufen des westlichen Mittelmeerbeckens in das östliche nahm der Prozess erneut Fahrt auf – und wurde wiederum langsamer, indem die Schwelle zwischen Sizilien und Nordafrika vollständig überflutet wurde und der Wasserspiegel des Mittelmeers endgültig auf das Niveau im Atlantik stieg.

Forschung: Daniel Garcìa-Castellanos und Raquel De Vicente Gil, Institut de Cièncias de la Terra Jaume Almera, CSIC, Barcelona; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 462, pp 778-81, DOI 10.1038/nature008555

WWW:
Homepage Daniel Garcìa-Castellanos, ICTJA
Post-Messinian Flood of the Mediterranean
The Messinian Salinity Crisis
Wasserhaushalt des Mittelmeers

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gemäßigte „Sintflut“
Wie Britannien zur Insel wurde
Leben in untermeerischen „Salzpfützen“


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2 Kommentare zu "Sturzflut ins Mittelmeer"

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  1. WWWW vom 13.12.2009: mit einem Tag Verspätung | 14. Dezember 2009 01:40
  1. Wieneke sagt:

    Moin,

    interessanter Artikel! Woher haben Sie das Bild von der NASA?
    Kann man das im Internet finden, außer bei Wikipedia?

    DAnke!

    [Das Bild stellte die NASA anlässlich der Veröffentlichung im Magazin „Nature“ im Jahr 2009 bereit. Weitere Informationen scheint es auch bei der NASA leider nicht mehr online zu geben. Die Redaktion]