Posted in: Genetik, Medizin, Sport 2. Dezember 2009 14:18 Weiter lesen →

Sport hält das Erbgut in Form

Illustration einer Zelle mit glimmendem Zellkern und Chromosomen, aus einem wird ein DNA-Strang abgewickelt Sport ist nicht nur im übertragenen Sinne ein Jungbrunnen. Das haben Homburger und Düsseldorfer Mediziner am Beispiel von Labormäusen und Ausdauersportlern ermittelt. Regelmäßige Bewegung geht demnach mit einem deutlich gebremsten, altersbedingten „Verschleiß“ des Erbguts einher.

Grafik: National Human Genome Research Institute

Der Effekt zeigt sich in längeren und sorgfältiger gewarteten Telomeren, den Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, berichten die Forscher um Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum des Saarlandes im Fachblatt „Circulation“. Damit geht wiederum eine größere Robustheit des Herz-Kreislaufs-Systems gegenüber Stress einher. „Dies stellt einen direkten Beweis für die alterungsbremsende Wirkung körperlicher Aktivität dar“, so Laufs.

Bei jeder Zellteilung werden die Chromosomen im Zellkern etwas verkürzt, weil die reguläre Verdoppelung der DNA einen gewissen Vorlauf benötigt. Der fortwährenden Erosion ihres Erbguts wirkt die Zelle mit sich wiederholenden DNA-Sequenzen an den Enden der Chromosomen entgegen. Diese Telomersequenzen können durch einen alternativen Prozess, mithilfe des Enzyms Telomerase, ergänzt werden.

Laufs und Kollegen untersuchten, wie sich körperliche Betätigung auf dieses Schutzsystem auswirkt. In Aortenwand und weißen Blutkörperchen von Mäusen, die sich nach Herzenslust in einem Laufrad austoben konnten, fanden sie mehr Telomerproteine als bei Artgenossen, in deren Käfigen kein Laufrad hing. Auch zeigten die Zellen in der Blutgefäßwand der ersten Gruppe eine geringere Neigung zu stressbedingtem Selbstmord.

Die Bedeutung körperlicher Betätigung untermauerten Tests an menschlichen Sportlern, darunter auch Mitglieder der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft. Deren weiße Blutkörperchen wiesen eine höhere Telomeraseaktivität und mehr Telomerproteine auf als solche von gesunden, nichtrauchenden Sportmuffeln, fanden die Mediziner. Im Einklang mit dieser Beobachtung waren die Telomere bei Ausdauersportlern mittleren Alters deutlich weniger erodiert als bei wenig sportlichen Altersgenossen. Dieses Resultat unterstreiche das Potenzial sportlicher Betätigung für den Schutz vor altersbedingten Erkrankungen, so Laufs.

Forschung: Christian Werner, Tobias Fürster und Ulrich Laufs, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar; Judith Händeler, Institut für umweltmedizinische Forschung an der Universität Düsseldorf; und andere

Online-Veröffentlichung Circulation, DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.861005

WWW:
Innere Medizin III, Universitätsklinikum des Saarlandes
Institut für umweltmedizinische Forschung, Uni Düsseldorf
Telomeres

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1 Kommentar zu "Sport hält das Erbgut in Form"

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  1. Belzer sagt:

    Wie man aufgrund dieser Befunde zu dieser Aussage gelangen kann, ist mir völlig schleierhaft. Ich würde bei erhöhter Leukozytenaktivität zunächst einmal auf verstärkten Verschleiß und damit verbunden verstärkten Reparaturvorgängen tippen, was bekanntermaßen mit einer verstärkten Leukozytenaktivität einhergeht. Die höhere Telomeraseaktivität und die Vermehrung der Telomerproteine würde ich ebenfalls in diesem Zusammenhang sehen.