Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 2. Dezember 2009 01:01 Weiter lesen →

Gefährlicher Wüstenflug

Weltraumaufnahme zeigt Italien, Iberische Halbinsel, Mittelmeer, darunter Nordafrika als große Wüstenfläche, im Süden an einen grünen Gürtel grenzend Auch für Langstreckenflieger stellt ein Meer aus Sand eine ernsthafte Herausforderung dar. Schwedische Ökologen haben mit Satellitenhilfe ermittelt, dass nicht wenige Greifvögel bei der alljährlichen Überquerung der Sahara in Schwierigkeiten geraten. Für unerfahrene Jungtiere endet der erste Versuch sogar in jedem dritten Fall mit dem Tod.

Bild: NASA Goddard Space Flight Center

Die in Herbst und Frühjahr anstehende Wüstenüberquerung macht damit einen großen Teil der Gesamtsterblichkeit der Greife aus, schreiben Roine Strandberg von der Universität Lund und seine Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“. Damit nicht genug, bedeuten Probleme während des Flugs auch eine verspätete Ankunft im Brutrevier und damit nicht selten eine verpasste Gelegenheit zur Fortpflanzung.

Jahr für Jahr pendeln Milliarden Vögel zwischen ihren europäischen Brutgebieten und ihren afrikanischen Winterrevieren. Neben Alpen und Mittelmeer müssen sie dabei auch die Sahara überwinden. Das bedeutet eine mindestens 1.500 Kilometer lange Reise durch ein Gebiet, in dem es kaum Wasser und Beute gibt, dafür aber starke Winde und Sandstürme.

Wie gut Greifvögel diese Herausforderung meistern, untersuchen Strandberg und Kollegen am Beispiel von 46 Fischadlern, Wespenbussarden, Rohrweihen und Baumfalken. Die Tiere waren mit kleinen Sendern versehen worden, sodass ihr Flug per Satellit verfolgt werden konnte. Über die Jahre kamen Daten über insgesamt 95 Sahara-Überquerungen zusammen.

Bei fast jedem zweiten Flug traten Probleme auf, schließen die Forscher aus der Analyse der Daten. In diesen Fällen kamen die Vögel vorübergehend nur im Joggertempo oder gar nicht voran, änderten jäh ihren Kurs oder wendeten sogar und flogen wieder aus der Wüste heraus, um später einen erneuten Anlauf zu unternehmen. Sechs Tiere, darunter vier von 13 Jungtieren, fanden den Tod, bevor sie den Südrand der Sahara erreichten.

Über das Jahr gerechnet, macht die Sahara-Überquerung selbst bei Altvögeln bis zu ein Drittel der Gesamtmortalität aus, schätzen Strandberg und Kollegen. „Der Tod in der Wüste stellt allerdings nicht den einzigen bedeutenden Mortalitätsfaktor dar“, schreiben die Forscher. „Ein ähnlich großer Anteil der ziehenden Vögel stirbt im Mittelmeerraum, teilweise durch illegale Jagd.“

Forschung: Roine Strandberg, Raymond H. G. Klaassen und Thomas Alerstam, Avdelningen för zooekologi, Lunds universitet; Mikael Hake, Grimsö forskningsstation, Institutionen för ekologi, Sveriges lantbruksuniversitet, Riddarhyttan

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0785

WWW:
Migration Ecology Group, Lund
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1 Kommentar zu "Gefährlicher Wüstenflug"

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  1. Irene Holzmann sagt:

    Ein für mich sehr interessanter Artikel – es war mir bislang gar nicht so recht bewusst, dass auch Greifvögel so weite Strecken zurücklegen und dabei so großen Gefahren ausgesetzt sind.
    MfG
    I. Holzmann