Hammerhaie mit guter 3D-Sicht
27. November 2009 06:00 Drucken
Der Kopf der Hammerhaie gehört zu den erstaunlichsten Entwicklungen der Evolution. Ein Vorteil des breiten “Auswuchses” liegt in einem besseren räumlichen Sehen, legen Untersuchungen amerikanischer Biologen nahe. Die an den Hammerenden sitzenden Augen weisen demnach einander überlappende Gesichtsfelder auf, sodass sie präzise Entfernungsinformation liefern können.
Bogenstirn-Hammerhaie haben nicht nur eine hervorragende Rundum-Sicht, sondern auch ein gutes Tiefensehen. Foto: Suneko via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0)
Dieser Befund stütze eine seit langem gehegte Vermutung, erklärt Michelle McComb von der Florida Atlantic University. “Im Fernsehen hören wir immer wieder, dass Hammerhaie über ein feineres Sehvermögen verfügen als andere Haie”, so die Forscherin. “Für diese Behauptung gab es bislang jedoch keinen experimentellen Beleg.” Tatsächlich sei sogar vermutet worden, der große Abstand der Augen verhindere ein Überlappen der Gesichtsfelder.
McComb und Kollegen machten nun die Probe aufs Exempel und unterzogen drei Hammerhai-Arten und zwei Vertreter anderer Haifamilien einem direkten Vergleich. Die Gruppe betäubte die in Gefangenschaft gehaltenen Tiere, führte eine Lichtquelle um ihre Augen herum und registrierte dabei die elektrische Aktivität der Netzhaut, um das jeweilige Gesichtsfeld auszumessen. Das Resultat war eindeutig, berichten die Forscher im “Journal of Experimental Biology”.
Bei Hammerhaien überlappen die Gesichtsfelder demnach sehr wohl – und das sogar umso stärker, je stärker ausgeprägt die Hammerform des Kopfes ist. Der beidäugig erfasste Sektor hat bei Flügelkopf-Hammerhaien einen Winkel von etwa 48 Grad, bei Bogenstirn-Hammerhaien sind es 34 Grad und bei Schaufelkopf-Hammerhaien lediglich 13 Grad. Zitronenhaie und Schwarznasenhaie mit ihrer konventionellen Kopfform bringen es auf 10 bzw. 11 Grad.
“Zu Beginn des Projekts glaubten wir nicht, dass Hammerhaie über binokulares Sehen verfügen”, räumt McComb ein. “Wir hielten das für schlicht unmöglich und rechneten damit, diesen Mythos endgültig zu widerlegen.” Die neuen Resultate schlössen allerdings nicht aus, dass der Hammerkopf noch weitere Vorzüge mit sich bringe, etwa einen besonders guten Geruchs- und elektrischen Sinn. Einige Wissenschaftler vermuten in dem breiten, flachen Auswuchs zudem eine Art Tragfläche, die den Tieren ein energiesparendes Schwimmen ermöglicht.
Forschung: D. Michelle McComb und Stephen M. Kajiura, Biological Sciences, Florida Atlantic University, Boca Raton; Timothy C. Tricas, Department of Zoology und Hawaii Institute of Marine Biology, University of Hawaii, Honolulu
Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 212, pp 4010-8, DOI 10.1242/jeb.032615
WWW:
Shark Lab, Florida Atlantic University
- Hammerhead Shark Evolution
Weshalb der Hammerkopf?
Stereoskopisches Sehen
Journal of Experimental Biology
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