Posted in: Anthropologie, Genetik 25. November 2009 09:26 Weiter lesen →

Gegensätze ziehen sich an

Portraitfoto eines männlichen Mandrills mit buschigem braunen Fell, kleinen eng stehenden Augen, farbenprächtiger Nase mit rotem Rücken und Nüstern und weiß-bläulichen Flanken Gegensätze ziehen sich an – zumindest genetische. Das haben englische und französische Forscherinnen bei Untersuchungen an Mandrills ermittelt. Bei den Affen lassen die Weibchen bevorzugt solche Männchen zum Zuge kommen, von denen sie sich genetisch relativ stark unterscheiden.

Ein ganzer Kerl – aber auch die passende Ergänzung? Foto: Durham University

„Wir haben erstmals nachweisen können, dass bei einer Spezies, die in großen Gruppen mit mehreren Männchen und mehreren Weibchen lebt, eine Auswahl anhand der genetischen Kompatibilität erfolgt“, erklärt Joanna Setchell von der Universität Durham. Möglicherweise spiele dieser Faktor auch bei der menschlichen Partnerwahl eine Rolle, so die Anthropologin.

Seit mehreren Jahren studieren Setchell und Kolleginnen eine große Gruppe von Mandrills (Mandrillus sphinx) im zentralafrikanischen Gabun. Im Rahmen dieser Arbeit haben sie registriert, wer sich mit wem gepaart hat, und zudem Blutproben von den Tieren genommen. Anhand des darin enthaltenen Erbguts können sie die Vaterschaftsverhältnisse abklären und die genetische Vielfalt bestimmen, über die jedes Individuum verfügt.

Besonderes Augenmerk legen die Forscherinnen auf die Gene des Haupt-Histokompatibilitätskomplexes (MHC). Die zugehörigen Proteine kommen auf praktisch allen Körperzellen vor. Als eine Art Präsentierteller dienen sie dazu, eigene oder aufgenommene Moleküle patrouillierenden Abwehrzellen zur Überprüfung darzubieten. Mehrere Studien lassen vermuten, dass Tiere – und vielleicht auch Menschen – anhand der MHC-Proteine in Schweiß oder Urin die genetische Nähe von Artgenossen abschätzen können.

Setchell und Kollegen verglichen die genetische Ausstattung der Eltern von mehr als 180 Mandrilljungen sowie aller Männchen, die sich zum Zeitpunkt der Empfängnis in der Nähe des Weibchens aufgehalten hatten. Wie die Forscherinnen im „Journal of Evolutionary Biology“ berichten, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Männchen der Vater des Jungen war, mit seiner verwandtschaftlichen und genetischen Distanz von der Mutter.

Offenbar gehen die Weibchen also Paarungen mit genetisch ähnlichen Männchen aus dem Weg oder vermeiden zumindest die Befruchtung durch deren Spermien, folgern die Forscherinnen. Als Erkennungsmerkmal könnten auch hier die MHC-Proteine dienen.

Eine mögliche Erklärung für die Partnerpräferenz liefert eine weitere Beobachtung: Mandrillmännchen haben umso größeren Fortpflanzungserfolg, je größer die Vielfalt an MHC-Genen ist, die sie von ihren Eltern geerbt haben. Die Wahl eines Partners, der die eigene genetische Ausstattung besonders gut ergänzt, könnte sich für die Weibchen also in Form von besonders erfolgreichem Nachwuchs bezahlt machen.

Forschung: Joanna M. Setchell, Department of Anthropology, Durham University, Durham; Marie J. E. Charpentier, Centre d’Ecologie Fonctionnelle et Evolutive, UMR 5175, CNRS, Montpellier; und andere

Veröffentlichung Journal of Evolutionary Biology, DOI 10.1111/j.1420-9101.2009.01880.x

WWW:
Evolutionary Anthropology Research Group, Durham University
Centre d’Ecologie Fonctionnelle et Evolutive, Montpellier
Mandrill
Sweaty T-Shirts and Human Mate Choice
Histocompatibility Molecules

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