Fühlen hilft Hören

25. November 2009 19:00 Drucken

Conversation Auf einer gut besuchten Party muss man sich schon konzentrieren, wenn man die Worte eines Gegenübers verstehen will. Dabei verlässt sich das Gehirn nicht allein auf die Ohren, lässt eine Studie kanadischer Forscher vermuten. Von der Haut registrierte Luftstöße haben demnach merklichen Einfluss darauf, wie eine Silbe wahrgenommen wird.

Foto: pressmaster /Fotolia

“Offenbar ist die neurale Verarbeitung von Sprache stärker multimodal angelegt als bislang gedacht”, folgern Gick und Donald Derrick von der University of British Columbia im Magazin “Nature”. Frühere Experimente hätten bereits ergeben, dass auch visuelle Information die akustische Wahrnehmung beeinflussen könne.

Gick und Derrick führten ihre Studie mit insgesamt 66 Männern und Frauen durch. Diese saßen in einer schalldichten Kabine und hörten über Kopfhörer die Silben “da” und “ba” sowie deren härtere, beim Sprechen von einem Luftstoß begleitete Pendants “ta” und “pa”. Um das Verständnis der Silben zu erschweren, wurden diese mit einem Rauschen unterlegt.

Unter diesen Bedingungen konnten die Teilnehmer rund 77 bzw. 66 Prozent der Silben “ba” und “pa” identifizieren. Die Verhältnisse kehrten sich beinahe um, wenn zeitgleich mit dem Beginn der Silben ein feiner Luftstoß auf Handrücken oder Hals der Teilnehmer erfolgte: das harte “pa” wurde nun häufiger richtig identifiziert, das weiche “ba” dagegen häufiger nicht erkannt. Ähnliche Zahlen ergaben sich für das harte “ta” und sein weiches Pendant “da”.

Der Effekt habe kein spezielles Training oder aktives Mitarbeiten seitens der Probanden erfordert, betonen Gick und Derrick. Daher könnte er vielleicht Anwendung in Audiotechnik und Telekommunikation finden und möglicherweise genutzt werden, um Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen den Alltag zu erleichtern.

Forschung: Bryan Gick und Donald Derrick, Department of Linguistics, University of British Columbia, Vancouver, und Haskins Laboratories, New Haven, Connecticut

Veröffentlichung Nature, Vol. 426, 26. November 2009, pp 502-5, DOI 10.1038/nature08572

WWW:
Department of Linguistics, University of British Columbia
- Homepage Donald Derrick
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