Forscher: Vulkanausbruch entwaldete Indien

24. November 2009 16:19 Drucken

Falschfarbenaufnahme zeigt grüne Insel in einen langen dunkelblauen See Vor rund 73.000 Jahren veränderte ein gewaltiger Vulkanausbruch auf Sumatra das Antlitz Südostasiens. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach der Untersuchung von Bohrkernen. Auf den Ausbruch folgte demnach eine ausgedehnte Phase kühler und trockener Bedingungen, in deren Verlauf sich die Vegetation im Tausende Kilometer entfernten Indien deutlich wandelte.

Die Caldera des Toba birgt heute einen rund 100 mal 30 Kilometer großen See. Bild: NASA/GSFC/METI/ERSDAC/JAROS, and U.S./Japan ASTER Science Team

Indem Asche und Aerosole das Sonnenlicht reflektierten, gingen die Temperaturen um bis zu 16 Grad Celsius zurück, folgern die Forscher um Martin Williams von der University of Adelaide und Stanley Ambrose von der University of Illinois. Ihrer Ansicht nach könnten solche Veränderungen dem modernen Menschen und seinen Verwandten zugesetzt haben.

Der Ausbruch des Vulkans Toba im Norden Sumatras wird zu den schwersten Eruptionen der letzten zwei Millionen Jahre gerechnet. Bei dem Ereignis wurden schätzungsweise 800 Kubikkilometer Asche in die Atmosphäre geschleudert, der resultierende Krater birgt heute einen 100 Kilometer langen See. Die Folgen des Ereignisses untersuchten die Forscher an einem Bohrkern, den das Forschungsschiff Sonne aus dem Grund des Golfs von Bengalen gezogen hatte, sowie an drei Bohrkernen aus Zentralindien.

Der Ausbruch markiert den Beginn einer rund 1.800 Jahre währenden Kälteperiode, schreiben die Forscher im Fachblatt “Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology”. Gemessen an den Pollen und dem Muster unterschiedlich schwerer Kohlenstoffisotope im Sediment, wurden in Indien Wälder durch savannenartige Landschaften ersetzt. Zudem waren in den Jahrhunderten nach dem Ausbruch des Toba weniger Spuren von Farnen zu finden – ein Hinweis auf trockenere Bedingungen.

“Dies alles belegt eindeutig, dass der Toba-Ausbruch eine ausgedehnte Entwaldung der Tropen verursachte”, folgert Ambrose. Der Anthropologe sieht in den Resultaten eine Bekräftigung seiner nicht unumstrittenen Hypothese, nach der die damaligen Umweltveränderungen die Population des jungen Homo sapiens dezimierten und diesen zur Entwicklung neuer Überlebensstrategien zwangen. Damit, vermutet Ambrose, könnte der Toba wiederum den Niedergang einiger Vettern des modernen Menschen eingeleitet haben.

Forschung: Martin A. J. Williams, Geographical & Environmental Studies, University of Adelaide; Stanley H. Ambrose, Department of Anthropology, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana; Carsten Rühlemann, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Braunschweig; und andere

Veröffentlichung Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, DOI 10.1016/j.palaeo.2009.10.009

WWW:
Geographical & Environmental Studies, University of Adelaide
Anthropology, University of Illinois at Urbana-Champaign
Toba
Volcanic Winter and Differentiation of Modern Humans

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Kommentare und Trackbacks

1 Kommentar to “Forscher: Vulkanausbruch entwaldete Indien”

  1. Bernie Wagner zu 8. Dezember 2009 14:49

    Ich halte es für plausibel anzunehmen, dass die Vewandlung solch ungeheuer großer Flächen dichter tropischer oder subtropischer Wälder in savannenähnliche Landschaften der Vermehrung bzw. Ausbreitung Species ‘Homo Sapiens’ mehr förderlich, als hinderlich war.

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