Immunreaktion auf Sodbrennen
Wenn immer wieder Speisebrei und Verdauungssäfte in die Speiseröhre aufsteigen, können Entzündungen, Geschwüre und letztlich sogar Krebs die Folge sein. Diese Effekte gehen vielleicht nur indirekt auf aggressive Magensäure und Galle zurück, lässt eine Studie amerikanischer Mediziner vermuten. Vielmehr könnten sie durch ein chronisch aktiviertes Immunsystem vermittelt werden.
Erst die von der Speiseröhren-Schleimhaut alarmierten Abwehrzellen würden in diesem Fall die für die Refluxkrankheit typischen Gewebeveränderungen hervorrufen, erläutert Rhonda Souza von der University of Texas. Sollte diese Hypothese durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, könnte dies Alternativen zur derzeitigen Standardbehandlung mit Säurehemmern eröffnen.
Souza und ihre Kollegen führten ihre Studie an Ratten durch, bei denen sie eine Verbindung zwischen Zwölffingerdarm und Speiseröhre hergestellt hatten. In verschiedenen Zeitabständen nach der Operation untersuchten die Mediziner die Speiseröhren der Tiere auf eventuelle Veränderungen.
Zur Überraschung der Forscher entwickelte sich die typische Schleimhautentzündung erst einige Wochen nach Anlage der Fistel. Deutlich früher zeigten sich dagegen Veränderungen in tieferen Schichten der Speiseröhrenwand, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Gastroenterology”. Hier waren schon nach wenigen Tagen eingewanderte Leukozyten und eine beginnende Gewebewucherung zu beobachten.
“Wenn die Refluxkrankheit tatsächlich auf eine Verätzung zurückgeht, wie man es im Medizinstudium lernt, ergeben diese Resultate keinen Sinn”, erläutert Souzas Kollege Stuart Spechler. Bei Verätzungen gebe es keine derart ausgeprägte Zeitverzögerung, so der Internist. “Wer versehentlich etwas Batteriesäure auf die Hand bekommt, muss nicht einen Monat auf Gewebeschäden warten.”
Die beobachtete Abfolge von Veränderungen lasse vermuten, dass gereizte Schleimhautzellen das Immunsystem auf den Plan rufen, so die Forscher. Versuche mit Kulturen menschlicher Epithelzellen bekräftigten diese Vermutung: Nach Kontakt mit simuliertem Gallensaft schütteten diese Zellen verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe aus der Gruppe der Interleukine aus und konnten so T-Zellen und Granulozyten alarmieren.
Forschung: Rhonda F. Souza, Xiaofang Huo und Stuart H. Spechler, Department of Medicine und Simmons Comprehensive Cancer Center, Southwestern Medical School, University of Texas, Dallas; und andere
Veröffentlichung Gastroenterology, Vol. 137(5), pp 1776-84, DOI 10.1053/j.gastro.2009.07.055
WWW:
Division of Digestive and Liver Diseases, Southwestern Medical School
Refluxkrankheit
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