Posted in: Psychologie 19. November 2009 20:00 1 Kommentar Weiter lesen →

Gezieltes Gedächtnistraining im Schlaf

SW-Foto zeigt Blick auf Schuhe und übereinander geschlagene Beine eines Menschen, der auf einer Holzbank liegt Im Schlaf ist das Gehirn alles andere als untätig, bestätigt ein Experiment amerikanischer Psychologen. Die Teilnehmer konnten sich besonders gut an die Positionen von Bildern erinnern, wenn sie während eines kurzen Nickerchens die zugehörigen Geräusche gehört hatten.

Foto: Paul Goyette via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0)

Hörten die Versuchsteilnehmer die Geräusche dagegen während einer Pause im Wachzustand, hatte dies keinen Einfluss auf ihr Gedächtnis, berichtet die Gruppe um Ken Paller von der Northwestern University im Magazin “Science”. “Unsere Resultate demonstrieren, dass während des Schlafs präsentierte Information das Abrufen von Gedächtnisinhalten nach dem Aufwachen beeinflussen kann”, folgern die Forscher.

Bereits in früheren Studien war über eine Festigung neu erlernten Wissens im Schlaf berichtet worden. Bei einem Versuch Lübecker und Hamburger Neurowissenschaftler trat dieser Effekt beispielsweise ein, wenn den Teilnehmern während des Lernens und nochmals im Schlaf Rosenduft in die Nase stieg. Paller und Kollegen gingen der Frage nach, wie spezifisch diese Beeinflussung sein kann.

Die Forscher baten 12 junge Erwachsene zu einem einfachen Lernexperiment ins Labor. Dabei galt es, sich die Positionen von 50 verschiedenen Objektbildern auf einem Bildschirm einzuprägen. Jedes Objekt wurde von einem passenden Geräusch begleitet, eine Katze etwa von einem Miauen und ein Teekessel von dem typischen Pfeifen.

Im Anschluss an die Lernphase zogen sich die Teilnehmer zu einem Mittagsschlaf zurück. Sobald sie den Tiefschlaf erreicht hatten, wurden ihnen die Geräusche von 25 der 50 Objekte erneut vorgespielt. Nach dem Aufwachen konnten sie die Positionen dieser Objekte ebenso gut angeben wie am Ende der Lernphase. Bei den übrigen Objekten hatte die Abweichung von der vorgegebenen Bildschirmposition dagegen um durchschnittlich 20 Prozent zugenommen.

Forschung: John D. Rudoy, Joel L. Voss, Carmen E. Westerberg und Ken A. Paller, Department of Psychology, Northwestern University, Evanston, und Beckman Institute for Advanced Science and Technology, Urbana, Illinois

Veröffentlichung Science, Vol. 326, 20. November 2009, p 1079, DOI 10.1126/science.1179013

WWW:
Cognitive Neuroscience Laboratory, Ken Paller
Memory Consolidation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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1 Kommentar zu "Gezieltes Gedächtnistraining im Schlaf"

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  1. rescoach sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag. Immer wieder ist es erstaunlich und faszinierend wozu unser Gehirn in der Lage ist, wenn die Potentiale des Unterbewusstseins mehr und mehr aktiviert werden. Da die Aufnahme über die Sinne im Schlaf ja unbewusst ist, zeigt dieses Experiment sehr schön, dass in diesem Zustand so viel mehr abrufbar ist als im reinen Bewusstseinszustand.

    Ich hoffe sehr, dass in diese Richtung noch weiter geforscht wird und mehr von diesen und ähnlichen Ergebnissen kommen werden.

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