Von der Geste zum Wort?
16. November 2009 17:10 Drucken
Schon vor mehreren Millionen Jahren waren die Grundlagen für die menschliche Sprache gelegt, lassen Beobachtungen französischer und amerikanischer Forscher vermuten. Wenn sie durch Gesten mit Artgenossen kommunizieren, sind demnach viele Schimpansen Rechtshänder.
Foto: William D. Hopkins
Die rechte Körperseite wird von der linken Gehirnhälfte gesteuert, in der sich beim Menschen wiederum die wichtigsten Sprachzentren befinden. “Unsere Resultate stützen daher die Annahme, dass sich Sprache ursprünglich aus einem System der gestischen Kommunikation bei unseren Ahnen entwickelte”, erklärt Adrien Meguerditchian von der Université de Provence.
Neun Monate lang studierten der Forscher und seine Kollegen das Verhalten von Schimpansen (Pan troglodytes) im Yerkes-Primatenforschungszentrum im US-Bundesstaat Georgia. In ihre Analyse gingen letztlich fast 7.000 Einzelbeobachtungen von Gesten ein, die insgesamt 70 Tiere vollführt hatten. Darunter waren auch gut 3.000 Beobachtungen artspezifischer Kommunikationsgesten – vom raschen Schwenken des Armes über das Schlagen mit der flachen Hand auf den Boden bis hin zum Ausstrecken der Hand in Richtung eines Artgenossen.
Im Falle dieser artspezifischen Gesten und auch beim Betteln um Nahrung legte etwa die Hälfte der Tiere eine klare Präferenz für eine Hand an den Tag, berichten die Forscher im Fachblatt “Cortex”. Meistens wurde die rechte Hand bevorzugt. Anders dagegen im Falle einer schnellen Wischbewegung über die Nase, die als Zeichen von Nervosität gedeutet wird. Hier zeigten nur wenige Tiere eine Vorliebe für eine Hand, und wenn, dann ähnlich oft für die linke und für die rechte.
“Die Dominanz der rechten Hand bei kommunikativen Gesten ist eine der ausgeprägtesten, die wir jemals bei Schimpansen beobachtet haben”, so William Hopkins vom Yerkes-Primatenforschungzentrum und vom Agnes Scott College. Je nach Situation, deckten die artspezifischen Gesten die gesamte Bandbreite von der Drohung bis hin zu Unterwerfung und Hilfesuchen ab. Die kommunikative Rechtshändigkeit sei jedoch unabhängig von diesem Kontext beobachtet worden – eine Flexibilität, die die Verbindung zur Sprache unterstreiche.
Forschung: Adrien Meguerditchian und Jacques Vauclair, Centre de Recherche en Psychologie de la Connaissance de la Langage et de l’Émotion, Département de Psychologie, Université de Provence Aix-Marseilles I; William D. Hopkins, Yerkes National Primate Research Center, Atlanta, und Department of Psychology, Agnes Scott College, Decatur, Georgia
Veröffentlichung Cortex, Vol. 46(1), Januar 2010, DOI 10.1016/j.cortex.2009.02.013
WWW:
Centre PsyCLÉ, Université de Provence
Hopkins Lab, Yerkes National Primate Research Center
The ABC’s of Chimpanzee Behavior
Händigkeit
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sprache: Vom kleinen Unterschied
Kater sind Linkshänder




Tweet
Ich bemerke immer wieder, daß im Text von SChimpansen geschrieven wird, auf dem Foto aber Bonobos zu sehen sind.
Ich frage mich, ob das einen tieferen Grund hat…
Suse, ist das sicher? Das Foto wird in dem Paper als Beispiel für grüßendes Ausstrecken der Hand unter Schimpsen angeführt.
Vielleicht werden hier Bonobos als Unterart der Schimpansen behandelt oder das Foto ist, wenn es tatsächlich Bonobos sind, eben eine zusätzliche Veranschaulichung von ähnlichen Gesten, die es eben (auch) bei Bonobos gibt, was ja kein Widerspruch zum Text ist. Es könnten sogar Orang Utans auf einem Foto gezeigt werden, die sich gestisch verständigen. Das wäre auch kein Widerspruch, sondern nur ggf. etwas verwirrend. Vielleicht hatte die Red. gerade einfach kein schöneres Foto, das gut zum Text passt (unbeschadet dessen, dass es vielleicht andere Tiere sind, als genau diejenigen, die bei den Studien beobachtet wurden). Ich hab da aber ein anderes Problem, und zwar versteh ich im Moment einfach nicht ganz den folgenden Satz:
“(…) Die kommunikative Rechtshändigkeit sei jedoch unabhängig von diesem Kontext beobachtet worden (…)” – unabhängig von welchem Kontext ?
Hallo, Bernie Wagner. Stimmt, ist ein bisschen umständlich ausgedrückt. Kontext meint die jeweils transportierte Information. Die rechte Hand war also dominant bei Drohgesten, Unterwerfungsgesten, Grußgesten, hilfesuchenden Gesten usw.