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Tabuzonen für das Aidsvirus

EM-Aufnahme zeigt kugelrunde HIV-Partikel mit keilförmigem, dunklen Kern an einer dünnen Zellmembran [1] Das Immunschwächevirus HIV ist vor allem deshalb so schwer auszumerzen, weil es sein Erbgut in das der befallenen Zelle integrieren kann. Dabei sind dem Virus allerdings Grenzen gesetzt, haben Forscher in Heidelberg, Mannheim und Osnabrück entdeckt. Um bestimmte Punkte im menschlichen Erbgut scheint der Erreger förmlich einen Bogen zu machen.

Bild: Prof. Hanswalter Zentgraf, DKFZ

Entweder werde das Virus an diesen Stellen direkt blockiert oder es fehle dort ein Faktor, den es zur Integration seines Erbguts benötige, folgert Frank Giordano vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Diese Entdeckung könne vielleicht bei der Entwicklung neuer, spezifischer Medikamente gegen AIDS helfen.

Giordano und Kollegen analysierten eine Datenbank mit mehr als 46.000 Einträgen zu Positionen, an denen sich HI-Viren in das Erbgut von Wirtszellen eingenistet hatten. Wie die Forscher im Fachblatt „AIDS“ berichten, zeigen die Viren eine gewisse Vorliebe für die Anfangsregionen von Genen. Die unmittelbare Nachbarschaft jenes Punktes, an dem das eigentliche Ablesen eines Gens beginnt, scheinen sie jedoch zu meiden.

Bislang war man davon ausgegangen, dass gerade der Transkriptionsstart ein bevorzugtes Ziel von HIV ist. Die Datenbank-Analyse ergab jedoch, dass jeweils 1.000 DNA-Basen stromaufwärts und stromabwärts – im Sinne des Informationsflusses – von diesem Punkt praktisch keine Integration stattfindet.

Diese Bereiche müssen spezifisch für HIV problematisch sein, erläutert Giordanos Kollegin Stephanie Laufs. „Andere Retroviren bauen ihr Erbgut sogar bevorzugt genau an den Ablese-Startpunkten ein“, so die Medizinerin. Umso interessanter dürfte die Klärung der Frage sein, warum der Transkriptionsstart so ungünstig für das Virus ist.

Forschung: Frank A. Giordano, Heike Allgayer und Stephanie Laufs, Klinische Kooperationseinheit Molekulare Onkologie solider Tumoren, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; und andere

Veröffentlichung AIDS, DOI 10.1097/QAD.0b013e3283336432

WWW:
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg [2]
Biology of HIV [3]
Transkription in Eukaryonten [4]

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
HIV an der Leine [5]
Wie sich HIV abhängig macht [6]