Posted in: Archäologie, Geschichte, Kultur, Soziales 10. November 2009 08:11 Weiter lesen →

Ein Bilderbuch der Maya

Foto zeigt Kalkwand, darauf farbenprächtige Alltagsszenen Nicht die große Politik, sondern den Alltag der Maya haben Wandgemälde zum Thema, die mexikanische und US-Forscher in einer Dschungelruine entdeckt haben. Das „Bilderbuch“ zeigt das gemeine Volk bei ganz profanen Tätigkeiten – in Farbe und mitsamt kurzer Bildunterschriften.

Foto: Copyright PNAS

Die bislang bekannten Darstellungen der Maya beschäftigten sich dagegen mit Kriegen, Religion und vor allem mit den Herrschenden, schreiben die Forscher um Ramón Carrasco Vargas vom Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. „Diese Quellen verraten uns nichts über die unteren gesellschaftlichen Schichten, jenen Teil der Bevölkerung, der den opulenten Lebensstil der Elite unterhielt.“

Carrasco Vargas und Kollegen fanden die ungewöhnlichen Wandgemälde in der Maya-Metropole Calakmul. An der Basis der Halbinsel Yucatán gelegen, erstreckt sich die große Ruinenstadt über eine Fläche von 3.000 Hektar und könnte einst bis zu 50.000 Einwohner gehabt haben. Auf die Ansichten vom Alltag dieser Menschen stießen die Forscher im bislang kaum erforschten Norden der mehr als 1.500 Jahre alten Stadt.

Die Archäologen erkundeten ein großes, im Laufe mehrerer Jahrhunderte immer wieder umgebautes und schließlich in sich zusammengestürztes Gebäude. Durch Tunnel in den Ruinenhügel eindringend, fanden die Forscher darin einen rund 11 mal 11 Meter großen und knapp 5 Meter hohen, dreistufigen Pyramidenbau. Dessen Außenwände zieren mehr als 40 Szenen, in denen Personen verschiedenen Alters beispielsweise Speisen aus Mais zubereiten und verzehren, Töpferwaren anbieten, mit Seilen hantieren oder Lasten tragen.

SW-Zeichnung einer der Szenen zeigt einen Mann mit geflochtenem Hut, den Kopf in den Nacken geleckt, ein Gefäß an den Lippen, umgeben von zwei Frauen an großen Gefäßen Bild: Copyright PNAS

Nicht nur die verschiedenen Gebrauchsgegenstände, auch die Kleidung und die Körperbemalung der Personen sind mit Liebe zum Detail wiedergegeben. Damit nicht genug, werden die Dargestellten häufig kurz durch zwei Hieroglyphen vorgestellt, etwa als Töpfer oder Bäckerin.

Offenbar gehe es bei den Wandgemälden um die allgemeine Beschreibung von Personen und nicht um die Identifizierung einzelner Menschen, folgern Carrasco Vargas und seine Kollegen. „Über die Rolle solcher Personen für Warenumschlag und Dienstleistungen und über das zugrunde liegende soziale System ist bislang praktisch nichts bekannt“, so die Forscher. Umso wertvoller seien die Bilder vom Leben an der Basis der Maya-Gesellschaft.

Forschung: Ramón Carrasco Vargas, Instituto Nacional de Antropología e Historia, Campeche; Verónica A. Vázquez López, Facultad de Filosofia y Letras, Universidad Nacional Autónoma de México, Mexiko-Stadt; Simon Martin, University of Pennsylvania Museum, Philadelphia

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0904374106

WWW:
Instituto Nacional de Antropología e Historia
Calakmul Epigraphic Research Project, University of Pennsylvania Museum
Calakmul auf der UNESCO-Welterbeliste
Maya Civilization

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