Posted in: Ernährung, Gesundheit, Medizin 4. November 2009 08:00 Weiter lesen →

Langsam isst besser

Kind isst Fastfood Mütter ermahnen ihre Kinder mit schöner Regelmäßigkeit, das Essen nicht einfach herunterzuschlingen. Wissenschaftliche Schützenhilfe erhalten sie nun durch ein Experiment griechischer und englischer Mediziner. Je mehr Zeit man sich mit dem Essen lässt, desto nachdrücklicher können Sättigungssignale aus dem Darm demnach auf das Gehirn einwirken.

Foto: Digitalpress /Fotolia

„Wahrscheinlich haben die meisten von uns schon einmal gehört, dass schnelles Essen zu übermäßiger Kalorienaufnahme und Übergewicht führen kann“, so Alexander Kokkinos von der Universität Athen, „und tatsächlich stützen einige Beobachtungsstudien diese Ansicht.“ Die neuen Resultate lieferten eine physiologische Erklärung für das Phänomen.

Kokkinos und seine Kollegen führten ihre Studie mit 17 männlichen Freiwilligen durch, die sich an zwei Tagen im Labor einfanden. Dort wurde ihnen eine sorgfältig abgemessene Portion Eiscreme serviert, die sie mal binnen 5 Minuten und mal über einen Zeitraum von 30 Minuten verzehren mussten. In den folgenden 3,5 Stunden nahmen die Forscher den Teilnehmern regelmäßig Blut ab und bestimmten unter anderem die Spiegel dreier Hormone, die vom Verdauungstrakt ins Blut ausgeschüttet werden und im Gehirn das Hungergefühl beeinflussen.

Beim dem appetitfördernden Magenhormon Ghrelin zeigten sich keine Unterschiede, sehr wohl jedoch bei den appetitzügelnden Darmhormonen GLP-1 und PYY (Glucagon-like Peptid 1 und Peptid YY). Die beiden Signalstoffe wurden über einen längeren Zeitraum und in verstärktem Maße ausgeschüttet. Über die gesamte Beobachtungszeit gerechnet, war ihre mittlere Konzentration nach dem langsamen Mahl 40 bzw. 27 Prozent höher als nach dem hastigen Mahl, berichten die Forscher im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“.

„Von ihrem Beruf und ihren Lebensgewohnheiten in Anspruch genommen, essen viele Menschen heute schneller und mehr als in der Vergangenheit“, so Kokkinos weiter. Angesichts der wachsenden Zahl Übergewichtiger lege die Reaktion der Darmhormone den Schluss nahe, dass man auch dieser Hinsicht besser den mütterlichen Rat beherzigen sollte.

Forschung: Alexander Kokkinos und Nicholas Katsilambros, Department of Propaedeutic Medicine, Laiko General Hospital, Athens University Medical School, Athen; Carel W. le Roux, Department of Metabolic Medicine, Hammersmith Hospital, Imperial College, London; und andere

Online-Veröffentlichung Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, DOI 10.1210/jc.2009-1018

WWW:
Medizinische Fakultät, Universität Athen
Der Lockruf des Essens

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