Überschätzter Alkohol
15. Oktober 2009 15:17 Drucken
Ältere Menschen, die sich gelegentlich ein Gläschen in Ehren gönnen, scheinen länger unabhängig zu bleiben. Der Grund liegt allerdings nicht im Alkohol selbst, zeigt eine Studie italienischer und amerikanischer Forscherinnen. Vielmehr scheint kontrollierter Alkoholkonsum einen allgemein gesünderen Lebenswandel widerzuspiegeln.
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Angesichts dieses Resultats müssten die Schlussfolgerungen aus früheren Studien überdacht werden, erklärt Cinzia Maraldi von der Universität Ferrara. “Das gilt ganz besonders, wenn man das Risiko einer Alkoholabhängigkeit und die gesundheitlichen Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums bedenkt”, so die Medizinerin. Wer die Gesundheit von Senioren verbessern wolle, solle sich lieber auf erwiesenermaßen sichere und effektive Maßnahmen beschränken, etwa auf das Fördern von gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität.
Maraldi und Kolleginnen analysierten die Daten von gut 3.000 Männern und Frauen im Alter von 70 bis 79 Jahren, die an einer großangelegten Studie zur Gesundheit im Seniorenalter teilnahmen. Zu Beginn der Studie wurde ein ausführliches Interview zum Lebensstil durchgeführt, danach folgten halbjährliche Befragungen zum Gesundheitszustand. Dabei wurde unter anderem erfragt, ob und wie gut die Teilnehmer Treppen steigen oder kürzere Strecken zu Fuß zurücklegen konnten.
Tatsächlich deutete eine erste statistische Analyse auf einen positiven Effekt des Alkohols hin. Teilnehmer mit leichtem bis mäßigem Konsum schienen demnach seltener Probleme mit leichten körperlichen Tätigkeiten zu bekommen. Das Bild änderte sich, als Maraldi und Kolleginnen zusätzlich Alter und Geschlecht sowie weitere Faktoren wie Körpermasse, Ausbildung und Einkommen berücksichtigten. Unter diesen Bedingungen war der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und körperlicher Fitness nicht mehr nachzuweisen.
Forschung: Cinzia Maraldi und Stefano Volpato, Sezione di Medicina Interna, Gerontologia e Geriatria, Università di Ferrara; Tamara B. Harris, Laboratory of Epidemiology, Demography and Biometry, National Institute on Aging, Bethesda; und andere
Veröffentlichung Journal of the American Geriatrics Society, Vol. 57(10), pp 1767-75, DOI 10.1111/j.1532-5415.2009.02479.x
WWW:
Medicina Clinica e Sperimentale, Università di Ferrara
Health ABC Study, National Institute on Aging
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