Kalorien gegen Pilze
Donnerstag, 15. Oktober 2009, 18:50 • Rubrik Biologie, Medizin.
Säugetiere und Vögel wenden große Mengen von Stoffwechselenergie auf, um eine hohe Körpertemperatur zu halten. Dieser kostspielige Lebensstil lohnt sich auch im Hinblick auf die Infektionsanfälligkeit, demonstriert eine Analyse zweier niederländischer und amerikanischer Forscher. Demnach können viele Pilzstämme schon deshalb nicht als Krankheitserreger bei Säugern auftreten, weil sie deren Körpertemperatur nicht verkraften.
Bild: NASA
Möglicherweise habe dieser Schutzeffekt eine Rolle bei der Evolution der Warmblütigkeit gespielt, vermutet Arturo Casadevall vom Albert Einstein College of Medicine. Und vielleicht habe er auch zur Ablösung der großen Dinosaurier durch die Säugetiere beigetragen, spekuliert der Mediziner.
Casadevall und sein Kollege Vincent Robert vom Centraalbureau voor Schimmelcultures in Utrecht gingen der Frage nach, warum der Mensch und seine warmblütige Verwandtschaft ein schlechtes Angriffsziel für Pilze darstellen. Von rund 1,5 Millionen bekannten Pilzstämmen sind lediglich einige Hundert in der Lage, gesunde oder abwehrgeschwächte Säugetiere zu infizieren. Insekten werden dagegen von rund 50.000 Pilzstämmen befallen, Pflanzen sogar von schätzungsweise 270.000 Stämmen.
Die beiden Forscher verglichen das Wachstum von 4.082 Pilzstämmen bei Temperaturen zwischen minus 40 und plus 45 Grad Celsius. Es zeigte sich, dass beinahe alle Stämme mit Temperaturen bis 30 Grad zurechtkommen. Oberhalb dieser Temperatur sinkt der Anteil der wachstumsfähigen Stämme mit jedem zusätzlichen Grad Celsius um sechs Prozent, berichtet das Duo im “Journal of Infectious Diseases”. Bereits die Erhöhung der Körpertemperatur bei Fieber könnte daher vielen Eindringlingen den Garaus machen.
Forschung: Vincent A. Robert, Centraalbureau voor Schimmelcultures, Utrecht, und Arturo Casadevall, Department of Microbiology and Immunology und Department of Medicine, Albert Einstein College of Medicine, Yeshiva University, Bronx, New York
Veröffentlichung Journal of Infectious Diseases, DOI 10.1086/644642
WWW:
Fungal Biodiversity Centre, Utrecht
Casadevall Laboratory, Albert Einstein College of Medicine
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Spannende These! Ich frage mich aber, warum sich nicht mehr Pilze den höheren Temperaturen angepasst haben. Bei Milliarden potenziellen Wirten würde sich das doch lohnen, oder?
@ Mark S: ja, die Frage habe ich mir auch gestellt!
Generell finde ich, dass es sich der Mediziner mit seiner griffigen Hypothese etwas einfach macht. Da gibt es ja noch Faktoren wie das wirklich hochentwickelte Abwehrsystem der Säugetiere und die laufend neugebildete äußere Hautschicht. Ganz zu schweigen davon, dass noch lange nicht erwiesen ist, dass die Dinosaurier (vgl. Vögel!!!) wechselwarm waren. So, und wenn wir jetzt noch die Individuenzahlen berücksichtigen, finde ich es gar nicht mehr so verblüffend, dass die Säugetiere viel weniger Intimfeinde unter den Pilzen haben als Insekten und Pflanzen.