Die Wurzel des Placeboeffekts
15. Oktober 2009 20:00 Drucken
Der Placeboeffekt kommt nicht allein im Kopf zustande. Das haben Hamburger Neurowissenschaftler erstmals zeigen können. Wenn Menschen allein aufgrund ihrer Erwartungshaltung weniger Schmerz empfinden, werden Schmerzsignale aus der Haut demnach schon beim Übergang in das Rückenmark abgeblockt.
Bild: National Institutes of Health
Die neuen Resultate ständen im Einklang mit der Vermutung, dass höhere Gehirnzentren die “Eintrittspforten” in das Rückenmark kontrollieren könnten, schreiben Falk Eippert und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Magazin “Science”. Diese Tatsache lasse sich vielleicht zur Behandlung verschiedener Schmerzformen, etwa des chronischen Schmerzes, nutzen.
Eippert und Kollegen analysierten die Daten von 13 jungen Männern, die an einer vermeintlichen Schmerzmittelstudie teilnahmen. Dabei trugen die Forscher “Lidocainsalbe” und “Kontrollsalbe” auf zwei Hautstellen an der Unterarminnenseite auf. Nach einigen Minuten “Einwirkzeit” setzten sie die Hautstellen einem schmerzhaften Hitzereiz aus und verfolgten per Kernspintomograph die Aktivität im Rückenmark der Halswirbelsäule.
Tatsächlich nahmen die Teilnehmer den Hitzereiz auf der vermeintlich betäubten Hautstelle als weniger schmerzhaft wahr. Auf einer Skala von 0 bis 100 stuften sie ihn bei 52 ein, verglichen mit 71 im Falle der wissentlich unbetäubten Hautstelle. Damit einher ging eine deutlich verringerte Stoffwechselaktivität im Hinterhorn des zugehörigen Rückenmarkssegments, der Eintrittsstelle für Schmerzsignale aus der Haut.
Wahrscheinlich werde die Weiterleitung der Schmerzsignale unterdrückt, indem auf Anweisung aus dem Großhirn körpereigene Opioide ausgeschüttet würden, so Eippert und Kollegen. Wo genau im Rückenmark diese Endorphine ansetzten – vor, während oder nach der Umschaltung der Hautsignale auf die Nervenbahnen ins Gehirn, sei derzeit noch unbekannt. Ebenfalls unklar sei, ob sich der Placeboeffekt nur auf Schmerzsignale auswirke oder beispielsweise auch auf Berührungssignale.
Forschung: Falk Eippert, Jürgen Finsterbusch, Ulrike Bingel und Christian Büchel, Institut für Systemische Neurowissenschaften und Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Veröffentlichung Science, Vol. 326, 16. Oktober 2009, p 404, DOI 10.1126/science.1180142; Neuron, Vol. 63(4), pp 533-43, DOI 10.1016/j.neuron.2009.07.014
WWW:
Institut für Systemische Neurowissenschaften, UKE
Placeboeffekt
Dermatom
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Es hat ja lange gedauert, bis die Biologen endlich mal eingesehen haben, dass Schmerz sich durch Vorstellung verändern kann.
Eine Weisheit, die seit Jahrtausenden in anderen Kulturen und in alternativen Heilmethoden bei uns schon erfolgreich bis in unsere heutige Zeit angewendet wird.
Mal schauen, ob die weiteren Erfahrungswerte auch irgendwann “anerkannt” werden.
Bisher ist das nur ein deutliches Armutszeugnis für die Biologie und Medizin.
TP
Die inhibitorische Schmerzhemmung ist lange bekannt, hemmende neuronen im rückenmark werden aktiviert, und hemmen dann die Weiterleitung des Schmerzreizes.
einfach mal in den Pschyrembel gucken.
SChön, daß es jetzt auch wiedermal experimentell bestätigt wurde.
Mit “zaubermedizin” hat das aber nichts zu tun. Das beruht auf ganz normalen physiologischen Prozessen.