Bitterst-Rezeptor identifiziert
Dienstag, 13. Oktober 2009, 13:02 • Rubrik Chemie, Ernährung.
Die bitterste natürliche Substanz der Welt kommt aus dem Enzian. Wie genau Menschen dieses Amarogentin schmecken, haben Potsdamer Forscher jetzt enträtseln können. Ihre Entdeckung weist einem “verwaisten” Geschmacksrezeptor eine Funktion zu und könnte helfen, die Evolution des Menschen und seiner Nahrungsvorlieben besser zu verstehen.
Die Zunge ist derart sensibel für Amarogentin, dass die Verbindung noch in einer Verdünnung von 1 zu 58 Millionen einen bitteren Geschmack bewirkt – entsprechend einem Schnapsglas auf rund 5.800 Badewannen. Die Substanz und ihr durchschlagender Geschmack sind seit langem bekannt, nicht jedoch die zugehörigen Sensoren der Geschmackssinneszellen.
Diese Frage konnten Maik Behrens vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und seine Kollegen nun klären. Die Forscher studierten eine Gruppe von Bitterrezeptoren, die sich im Laufe der menschlichen Evolution besonders stark entfaltet hat. Dazu schleusten sie die jeweiligen Gene in Kulturzellen ein, setzten die Zellen verschiedenen Bitterstoffen aus und registrierten eventuelle Reaktionen. Gleich vier der acht untersuchten Rezeptoren sprechen auf Amarogentin an, berichtet die Gruppe im “Journal of Agricultural and Food Chemistry”.
Unter diesen Sensorproteinen ist mit dem hTAS2R50 auch ein mutmaßlicher Bitterrezeptor, für den bislang allerdings keine Bindungspartner bekannt waren. Für dieses Protein konnten die Forscher gleich noch einen zweiten Partner identifizieren, nämlich das Andrographolid aus dem Kalmegh (Andrographis paniculata). Nicht von ungefähr wird das Kraut in seiner indischen Heimat auch als “King of Bitters” bezeichnet.
Forschung: Maik Behrens, Anne Brockhoff und Wolfgang Meyerhof, Abteilung Molekulare Genetik, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Nuthetal; und andere
Veröffentlichung Journal of Agricultural and Food Chemistry, DOI 10.1021/jf9014334
WWW:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
- Molekularbiologie von Bittergeschmacksrezeptoren
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