Posted in: Gesundheit, Medizin 22. September 2009 12:14 Weiter lesen →

Stress kann Krebs bremsen

Foto zeigt zwei nackte Mäuse Solange er nicht zum Dauerzustand wird, hat Stress auch seine guten Seiten. Diese Ansicht bekräftigt ein Experiment, das amerikanische Mediziner mit Mäusen durchgeführt haben. Wurden die Tiere vor der Bestrahlung mit ultraviolettem Licht kurzzeitigem Stress ausgesetzt, bekamen sie weniger Hauttumoren.

Foto: Mike Mitchell/National Cancer Institute

„Akuter Stress rüttelt die Schutzmechanismen des Organismus wach“, erläutert Firdaus Dhabhar von der kalifornischen Stanford University. Die neuen Resultate zeigten erstmals, dass dieses uralte Überlebensprogramm vielleicht im Kampf gegen einzelne Krebsarten helfen könnte. „Bislang wird es immer noch unterschätzt“, so der Forscher.

Dhabhar und Kollegen führten ihre Studie mit 60 Labormäusen durch. Alle Tiere wurden dreimal wöchentlich ultravioletter Strahlung ausgesetzt, die Hälfte von ihnen wurde zuvor für zwei Stunden in enge Plexiglasröhren gesperrt. Erwartungsgemäß entwickelten sich nach einiger Zeit Hautschädigungen und schließlich auch Plattenepithelkarzinome. Bei den gestressten Tieren traten die Hauttumoren jedoch später und in geringerer Zahl auf, berichten die Forscher im Fachblatt „Brain, Behavior, and Immunity“.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass akuter Stress nicht nur Kreislauf, Atmung und Muskulatur aktiviert, sondern auch vermehrt Abwehrzellen in die Haut einwandern lässt – möglicherweise als Vorbereitung auf eine Verletzung. Dieser Mechanismus schien auch im Fall der Mäuse zu greifen, beobachteten die Forscher. Die Haut der gestressten Mäuse produzierte vermehrt Interleukine, Gamma-Interferon und andere „Alarmsubstanzen“ und enthielt eine größere Zahl abwehrbereiter T-Zellen.

„Es ist möglich, dass krebsartig veränderte Zellen in der Stress-Gruppe effizienter beseitigt wurden“, so Dhabhar weiter. Die gesteigerte Abwehrbereitschaft habe die Entwicklung zum Krebs allerdings nicht dauerhaft verhindern können – in beiden Mäusegruppen hätten letztlich 90 Prozent der Tiere Tumoren aufgewiesen. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, wie der Schutzeffekt optimiert und ob er beim Menschen zur Vorbeugung oder Behandlung genutzt werden könne.

Forschung: Firdaus S. Dhabhar, Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Stanford Cancer Center und Institute of Immunity, Transplantation and Infection, Stanford University, Stanford; Tatiana M. Oberyszyn, College of Medicine and Public Health, Ohio State University, Columbus; und andere

Veröffentlichung Brain, Behavior, and Immunity, DOI 10.1016/j.bbi.2009.09.004

WWW:
Stanford Cancer Center
Stress
The Different Kinds of Stress

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2 Kommentare zu "Stress kann Krebs bremsen"

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  1. hadez sagt:

    und in ein paar jahren werden wir, anstatt uns mit sonnencreme einzureiben, uns für ein paar stunden in plastikröhren zwängen bevor wir ein sonnenbad nehmen ;-)

  2. Betti sagt:

    Das ist mal einen gutes Argument für Pauschalreisen in den Süden: Das erhöhte Hautkrebsrisiko vom Sonnenbrand am Strand mit dem Stress wegen dem miesen Hotel ausgleichen. :)