Forscher: Schmerz schützt Herz
Das Herz lässt sich vielleicht in eine Art Alarmzustand versetzen, in dem es gegen die Folgen eines Infarkts gefeit ist. Entsprechende Resultate aus Tierversuchen präsentieren amerikanische Mediziner im Fachblatt “Circulation”. Herbeiführen lässt sich der Zustand durch einen schmerzhaften Hautreiz – beispielsweise einen kleinen Schnitt oder schlichte Wärmesalbe.
Bild: NIH-National Heart, Lung and Blood Institute
Derart vorbereitet, verkraftet der Herzmuskel von Mäusen das Stocken und plötzliche Wiedereinsetzen des Blutflusses deutlich besser, beobachteten die Forscher um Keith Jones und Neil Weintraub von der University of Cincinnati. Sollte der Trick auch beim Menschen funktionieren, “könnte er möglicherweise von großem klinischen Nutzen sein”, folgern sie.
Jones, Weintraub und Kollegen gehen schon seit einiger Zeit Berichten nach, denen zufolge eine Verletzung den Verlauf eines nachfolgenden Herzinfarkts beeinflussen kann. Tatsächlich ergaben ihre Experimente, dass ein kleiner Einschnitt der Bauchhaut den Zelltod im Herzmuskel um rund 80 Prozent reduzieren kann. Einen ähnlichen Effekt erzielten sie mit dem Auftragen von Capsaicin, dem scharfen Inhaltsstoff von Chili.
Der Schutz stellt sich nur ein, wenn Signale der Schmerzrezeptoren aus der Haut in das Rückenmark gelangen können, ergaben weitere Untersuchungen. Zum Herzen laufende Nervensignale scheinen dann wiederum biochemische Signalwege im Herzmuskel zu aktivieren. “Vielleicht funktioniert das ganz ähnlich wie bestimmte Akupunktur-Behandlungen”, vermutet Jones.
Viele Details des Schutzeffekts seien allerdings noch ungeklärt, so Jones weiter. So wisse man nicht, welches der optimale Schmerzreiz sei, ob er an jeder beliebigen Hautstelle appliziert werden könne, wie lange der Schutzeffekt anhalte und ob er sich überhaupt beim Menschen herbeiführen lasse. Auch müsse untersucht werden, ob weitere Organe von dem Schutz profitierten. In diesem Falle könnte Effekt vielleicht auch nach Schlaganfällen oder bei Organverpflanzungen helfen.
Forschung: W. Keith Jones, Neal L. Weintraub und Xiaoping Ren, Department of Pharmacology and Cell Biophysics und Department of Internal Medicine, College of Medicine, University of Cincinnati, Cincinnati, Ohio; und andere
Veröffentlichung Circulation, Vol. 120, S1-S9, DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.843938
WWW:
Pharmacology and Cell Biophysics, University of Cincinnati
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