Löchrige Wärmedämmung bei Seehunden
Dienstag, 8. September 2009, 1:01 • Rubrik Biologie.
Im kühlen Meerwasser sind Seehunde auf eine gute Wärmedämmung angewiesen. Entsprechend strapaziös ist der alljährliche Haarwechsel für die Tiere, belegen Infrarot-Aufnahmen schottischer Forscher. Indem die ohnehin schon entblößte Haut verstärkt durchblutet wird, klaffen regelrechte Wärmelöcher in der Isolierung.
Bild: Copyright Sea Mammal Research Unit, University of St Andrews
Für Robben sei die Neubildung des Fells ebenso wichtig wie für Hund oder Pferd, erläutert William Paterson von der University of St Andrews. Der Prozess sei allerdings mit beträchtlichen Kosten verbunden. “Bei manchen Robbenarten dürfte der Haarwechsel etwa halb so viel Energie verschlingen wie das Aufziehen eines Jungtiers”, so der Meeresbiologe.
Um den Energieaufwand schätzen zu können, beobachteten Paterson und seine Kollegen einige Seehunde an Land mit Infrarotkameras. Auf den Thermographien zeichnen sich große Hautpartien als helle Flecken ab, deren Temperatur deutlich über der in der übrigen Haut liegt. Der Hauptgrund für die Erwärmung sei die verstärkte Durchblutung der Haut während der Neubildung der Haare, so die Forscher.
Die Auswertung von Videoaufnahmen bestätigte, dass sich Seehunde während des Haarwechsels möglichst lange außerhalb des Wassers aufhalten und so ihren Wärmeverlust begrenzen. Umso belastender sei es für die Tiere, wenn sie in dieser kritischen Phase durch sorglose Naturliebhaber und andere Störungen ins Wasser getrieben würden, betont Paterson. “Das Resultat ist, dass sie weniger Fettreserven für den Winter haben oder mehr fressen müssen, um den zusätzlichen Wärmeverlust zu kompensieren.”
Forschung: William D. Paterson und Paddy P. Pomeroy, Sea Mammal Research Unit, Scottish Oceans Institute, University of St Andrews, Fife; Dominic J. McCafferty, Department of Adult and Continuing Education, University of Glasgow; und andere
Präsentation auf dem Annual Meeting of the British Ecological Society, Hatfield
WWW:
Sea Mammal Research Unit, University of St Andrews
Seehund
Thermoregulation
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