Immun gegen Ekel
Freitag, 28. August 2009, 13:39 • Rubrik Medizin, Psychologie.
Von einer Krankheit gezeichnete Menschen sind irritierten oder sogar angewiderten Blicken ausgesetzt. Als Folge können sie einen regelrechten emotionalen Panzer entwickeln, zeigt eine Studie englischer und irischer Mediziner. Patienten mit Schuppenflechte zeigten dabei eine deutlich abgeschwächte Gehirnreaktion auf angeekelte Gesichter.
Foto: US Department of Defense
“Wir wussten bereits, dass Schuppenflechtepatienten generell davon ausgehen, dass sie allein an ihrer Haut gemessen werden”, erklärt Elise Kleyn von der University of Manchester. “Daher vermeiden sie häufig soziale Situationen, in denen sie Stress oder Demütigung erwarten.” Die neuen Resultate demonstrierten einen weiteren Mechanismus für den Umgang mit solchen Belastungen.
Kleyn und Kollegen konnten 13 Männer mit Schuppenflechte (Psoriasis) für ihre Studie gewinnen. Die für die Krankheit typischen silbrigen, verschuppten Bereiche auf geröteter Unterhaut gehen nicht etwa auf eine Infektion zurück. Vielmehr sind sie eine Reaktion auf eine Attacke des eigenen Immunsystems. Die genauen Auslöser sind noch unklar, die verschiedenen Behandlungen können die Symptome nur lindern.
Per funktioneller Kernspintomographie kartierten die Mediziner die Gehirnaktivität der Versuchsteilnehmer, während diese Fotos von ekelverzerrten Gesichtern sahen. Besonders interessierten sie sich für einen Bereich der Großhirnrinde, der am Empfinden und Nachempfinden von Ekel beteiligt ist. Verglichen mit Kontrollpersonen, rief der Anblick der Fotos bei den Patienten eine deutlich schwächere Aktivierung dieser Inselrinde hervor.
Ähnliche Resultate lieferte ein zusätzlicher Versuch, bei dem die Teilnehmer verschiedene Emotionen auf Gesichtsfotos benennen sollten. Jene mit Schuppenflechte taten sich schwer beim Erkennen von Ekel, während sie beispielsweise Angst ebenso gut erkannten wie die Kontrollpersonen. Offenbar blenden die Patienten gezielt einzelne Emotionen aus ihrer Wahrnehmung aus, folgern Kleyn und Kollegen. Einen ähnlichen “Filter” gebe es vermutlich auch bei Personen mit schwerer Akne oder Narben, so die Mediziner.
Forschung: C. Elise Kleyn, Shane McKie und Christopher E. M. Griffiths, Dermatological Sciences und Neuroscience and Psychiatry Unit, The University of Manchester; und andere
Veröffentlichung Journal of Investigative Dermatology, DOI 10.1038/jid.2009.152
WWW:
Psoriasis Research Unit, University of Manchester
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