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Vom Licht, das uns alle umbringt

Mittwoch, 26. August 2009, 18:42 • Rubrik Redaktionsblog.

redaktionsblog-logo Haben Sie Energiesparlampen im Einsatz? Und Sie fühlen sich noch gesund? Das wird vermutlich nicht mehr lange so sein, denn das Licht der bösen Lampen begünstigt “fast alle zivilisatorischen Erkrankungen”, von Herz-Kreislauf Erkrankungen über Diabetes, Osteoporose und Störungen des Immunsystems bis zu Brustkrebs und Prostatakarzinom. Das muss so sein, so melden es immerhin gleichlautend die von ihren Verlegern “Qualitätsmedien” genannten Focus Online und Welt Online.

Beide Online-Medien haben einen Text der Agentur AP übernommen, die wiederum wortwörtlich bei der Neuen Osnabrücker Zeitung abgeschrieben hat. Ein echter Beitrag zur Medienvielfalt also.

Die Osnabrücker berufen sich auf den Arzt Alexander Wunsch. Der betreibt eine Privatpraxis in Heidelberg und wird von den Medien mal als “Mediziner und Licht-Experte”, mal als “Hausarzt und Lichtbiologe” vorgestellt. Welt Online wusste immerhin vor drei Wochen noch über ihn zu sagen, dass er “lange, unter Kollegen umstrittene Aufsätze über die chronobiologische Bedeutung des Lichts verfasst hat”. Unerklärt bleibt im aktuellen Text leider die Frage, wie eine Energiesparlampe zur “fehlgesteuerten hormonellen Anpassung mit weitreichenden Folgen” führen kann und was eine “fehlgesteuerte hormonelle Anpassung” eigentlich ist.

Die oben gelisteten zivilisatorischen Erkrankungen werden übrigens mit einer gewissen Einschränkung in Aussicht gestellt; sie sollen “bei falschem Umgang” mit den Lampen auftauchen. Betrifft das möglicherweise also nur Menschen, die die Lampen essen anstatt sie in die Lampenfassung zu drehen? Fragen Sie nicht uns, fragen Sie die Redakteure von Focus und Welt. Vielleicht weiß da auch jemand, in welche wissenschaftliche Fachrichtung die so genannte “Lichtbiologie” eigentlich einzuordnen ist.

Die Redaktionen hätten es ja wenigstens wie ihre Kollegen vom Schleswig Holsteinischen Zeitungsverlag machen können, der mal bei Fachleuten nachgefragt hat. U.a. erfuhr die Redaktion vom Chef der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Kiel: “Das ist ein Spiel mit der Angst der Menschen.” Na, so eine Überraschung!

Nachtrag, 28.8.: Focus Online hat mittlerweile seinen Artikel nach der Einleitung um folgenden Satz ergänzt: “Diese Meldung, die wir von der Nachrichtenagentur AP übernommen haben, stößt zu Recht auf Kritik.” Das Wort Kritik hat die Redaktion mit unserem Beitrag verknüpft.

S.J.


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4 Kommentare for “Vom Licht, das uns alle umbringt”

  1. Rainer Maichin

    10.000 Euro an Stromkosten wurden beim Einsatz von 474 Energiesparlampen bei 19 verschiedenen Projekten im ersten Jahr der Anwendung bereits eingespart.

    Der Bericht dazu ist auf meinem Weblog der kleinen Zeitung ersichtlich unter:

    http://meinekleine.kleinezeitung.at/999999/stories/350845/

  2. Mal sehen, ob die dort den Link auf diesen Artikel als Kommentar akzeptieren … ;-)

  3. M.K.

    Wir sollten uns einig sein, dass das Verbot der Glühlampe unnötig und zu früh war. Statt ein Verbot hätte man zunächst Richtlinien für LED und Energiesparlampen schaffen müssen, damit der Verbraucher sicher auf bessere Leuchtmittel umsteigen kann. Verbote ohne vernünftige Alternative bringen nichts. Lampen mit eingesetztem Halogenbrenner gelten plötzlich als Umweltfreudlich, jeder reitet auf der Verbotswelle mit. Neben Quecksilber in der Energiesparlampe gehören auch noch der Kunststof, die Elektronik und das Kupfer in einem echten Vergleich zur Glühlampe. Selbstverständlich auch die Wärme, die im Winter positiv in den Vergleich eingehen muss. Noch habe ich leider so einen Vergleich nicht gesehen. ich bin da nicht so sicher, dass es positiv für die Energiesparlampe ausieht.

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