Posted in: Biologie 20. August 2009 20:00 Weiter lesen →

Tiefseewürmer werfen Blendgranaten

Foto zeigt hautfarbenen Wurm mit Borstenbündeln, blasenförmigen Gebilden hinter dem tentakelbesetzten, augenlosen Kopf Raffinierte Verwandte des gemeinen Wattwurms haben amerikanische und schwedische Forscher im Pazifik entdeckt. Bei Tauchfahrten in die Tiefsee entdeckten sie gleich mehrere Spezies von Borstenwürmern, die bei Berührung grünlich glimmende Körperanhänge abwerfen.

Hinter dem Kopf von „Swima Spezies 3“ sind drei Paare von „Bomben“ zu erkennen. Foto: Courtesy of Science/AAAS

„Wir haben eine völlig neue Gruppe recht großer, außergewöhnlicher Tiere gefunden“, erklärt Karen Osborn von der Scripps Institution of Oceanography im kalifornischen La Jolla. Die „Grünen Bomber“ seien nicht besonders selten. Dass sie erst in jüngster Zeit beobachtet worden seien, belege einmal mehr, wie wenig man über den größten Lebensraum der Erde wisse.

Osborne und ihre Kollegen fanden den ersten Vertreter der Bomber, als sie mit einem Tauchroboter die Tiefsee vor der kalifornischen Küste erkundeten. Gesichtet in Wassertiefen um drei Kilometer, handelt es sich um gut fingerlange Borstenwürmer (Polychaeten), die an jedem Körpersegment zwei Bündel von Borsten tragen. Indem die Tiere schlängelnde Bewegungen vollführen, wirken diese Bündel wie Paddel.

Foto zeigt kompletten Borstenwurm, bläulicher Körper, gelblich durchscheinender Darm, 2 Reihen von Borstenbündeln, Kopftentakeln Ein Vertreter der Typspezies, Swima bombiviridis, mit hinter dem Kopf erkennbaren „Bomben“. Copyright 2007 C. Dunn

Die augenlosen Würmer tragen bläschenförmige Anhänge an jenen vier Körpersegmenten, an denen bei anderen Borstenwürmern Kiemen sitzen. Bei Berührung schnüren sie die Bläschen nach und nach ab, woraufhin diese für einige Sekunden grün fluoreszieren. Wahrscheinlich zur Verwirrung von Fressfeinden gedacht, können die Würmer die Blendgranaten im Laufe der Zeit regenerieren, berichten die Forscher im Magazin „Science“.

Seit der ersten Sichtung im Jahr 2001 hat die Gruppe ähnliche Borstenwürmer auch vor Oregon und auf der anderen Seite des Pazifiks, vor den Philippinen, beobachtet. Genetische Untersuchungen belegten, dass es sich um Vertreter von insgesamt sieben Spezies handelt, von denen fünf „Bomben“ bilden. Osborne und Kollegen fassen alle sieben Arten in der neuen Gattung Swima zusammen, den Repräsentanten dieser Gattung haben sie Swima bombiviridis getauft.

Forschung: Karen J. Osborn und Greg W. Rouse, Scripps Institution of Oceanography, University of California at San Diego, La Jolla, Kalifornien; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 325, p 964, DOI 10.1126/science.1172488

WWW:
Marine Invertebrate Phylogenetics Lab, Scripps Institution
Annelida

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