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Menschlicher Kreis-Lauf

Donnerstag, 20. August 2009, 18:00 • Rubrik Psychologie.

Foto zeigt Fußstapfen im orangefarbenen Wüstensand Ohne Hilfsmittel in der Einöde ausgesetzt, laufen Menschen tatsächlich im Kreis. Das haben Tübinger Forscher bei Versuchen mit einer Handvoll Freiwilliger herausgefunden. Ihre Beobachtungen decken sich allerdings nicht ganz mit der Darstellung in zahlreichen Hollywood-Streifen: Waren Sonne oder Mond am Himmel sichtbar, konnten die Versuchsteilnehmer sehr wohl über Stunden den eingeschlagenen Kurs halten.

Foto: Joadl via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

Sobald Wolken aufzogen, wichen die Teilnehmer jedoch immer wieder von der geraden Linie ab und liefen wiederholt im Kreis, beobachtete die Gruppe um Jan Souman vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. “Einige unserer Versuchsteilnehmer haben mehrmals ihren Pfad gekreuzt, ohne es zu merken”, so der Psychologe.

Souman und Kollegen führten ihre Versuche im pfälzischen Bienwald und in der tunesischen Sahara durch. Dort rüsteten sie sechs bzw. drei Freiwillige mit Empfängern des Globalen Positionsbestimmungssystems (GPS) aus und hießen sie dann, in eine bestimmte Richtung zu gehen. Wie die Forscher im Fachblatt “Current Biology” berichten, konnten die Teilnehmer bei wolkenlosem Himmel sogar die langsame Bewegung von Sonne bzw. Mond kompensieren.

Um mehr über die Kursabweichungen beim Fehlen von Orientierungsmarken zu erfahren, führten die Wissenschaftler weitere Experimente auf einem kleinen Flugplatz durch. In diesem Fall wurden den Teilnehmern die Augen verbunden. Prompt durchliefen sie immer wieder enge Kreise, teils mit Radien von weniger als zehn Metern, und entfernten sich daher nur langsam von ihrem Ausgangspunkt.

Allerdings tendierte kein Teilnehmer klar zu Abweichungen in eine bestimmte Richtung – und das selbst dann nicht, wenn er Schuhe mit unterschiedlich dicken Sohlen trug. Die in Filmen und Büchern häufig angeführte Erklärung des Kreis-Laufs durch unterschiedlich lange oder kräftige Beine ist also falsch, folgern Souman und Kollegen. Offenbar könne das Gehirn solche Ungleichgewichte durchaus kompensieren. Der wahre Grund für die beobachteten Abweichungen liege vermutlich im Rauschen der Sinneswahrnehmung, das sich ohne gelegentliche Kalibrierung allmählich aufsummiere.

Forschung: Jan L. Souman, Ilja Frissen, Manish N. Sreenivasa und Marc O. Ernst, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen, Multimodal Interaction Lab, McGill University, Montréal, und Laboratoire d’Analyse et d’Architecture des Systèmes, CNRS, Toulouse

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2009.07.053

WWW:
Ernst Lab, Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik
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