Posted in: Paläontologie 19. August 2009 01:01 Weiter lesen →

Landebahn eines Flugsauriers entdeckt

SW-Foto einer rissigen Steinplatte, darin dreieckige Abdrücke, teils mit länglichen Schleifspuren, markiert durch Pfeile Die „Landebahn“ eines Flugsauriers haben französische und amerikanische Forscher gefunden. Die versteinerten Abdrücke zeigen, wie vor knapp 150 Millionen Jahren ein kleiner Pterosaurier an einem Strand aufsetzte und noch einen kurzen Hüpfer machte, bevor auch seine Hände den Boden berührten.

Der geringe Abstand der ersten beidbeinigen Bodenkontakte spricht für ein Abbremsen in der Luft. Die Pfeile markieren die Abdrücke von linken und rechten Füßen (P) bzw. Händen (M). Bild: Courtesy Kevin Padian, UC Berkeley

Anders als manche moderne Seevögel, habe der Flugsaurier also nicht erst am Boden laufend abgebremst, folgern die Forscher um Jean-Michel Mazin von der Universität Lyon und Kevin Padian von der Universität Berkeley. Vielmehr dürfte er schon mit den letzten Flügelschlägen gebremst und sich dabei in der Luft aufgerichtet haben. Diese Landetechnik zeuge von hochentwickelten Flugkünsten, schreiben die Paläontologen in den „Proceedings of the Royal Society B“.

Mazin und Kollegen fanden die Abdrücke nahe der Ortschaft Crayssac im Südwesten Frankreichs. In feinkörnigem Kalkstein aus dem Jura sind dort Abertausende Abdrücke einer vielfältigen Fauna von Wirbeltieren und Wirbellosen erhalten. Darunter sind auch meterlange Spuren von auf allen Vieren laufenden Flugsauriern, was der Fundstätte den Spitznamen „Strand der Pterosaurier“ eingehandelt hat.

Die Spur des landenden Reptils beginnt jäh mit den Abdrücken gleichzeitig und parallel aufsetzender Füße. Am vorderen Rand der beiden Abdrücke finden sich regelrechte Schleifspuren der Krallen. In geringem Abstand folgen die Abdrücke eines zweiten beidbeinigen Bodenkontakts, der bereits von flüchtigen Handabdrücken begleitet wird. Leicht torkelnd nach vorne kippend, ging das Tier daraufhin zum Gang auf allen Vieren über, wie er bereits aus anderen Spuren bekannt ist.

Pterosaurier galten lange Zeit als wenig wendige Flieger, den größeren Vertretern wurde sogar nur eine Art Gleitflug zugetraut. Die Spur von Crayssac demonstriere allerdings eine fortschrittliche Landetechnik, wie sie auch von den meisten heutigen Vögeln praktiziert werde und einiges an Luftakrobatik erfordere, so Mazin und Kollegen. Die Forscher hoffen nun, an dem versteinerten Strand auch die Spuren eines urzeitlichen Starts zu finden.

Forschung: Jean-Michel Mazin, Paléoenvironnements et Paléobiosphere, UMR 5125, CNRS und Université Lyon I; Jean-Paul Billon-Bruyat, Section d’Archéologie et Paléontologie, République et Canton Jura, Porrentruy; Kevin Padian, Department of Integrative Biology und Museum of Paleontology, University of California, Berkeley

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2009.1161

WWW:
Paléoenvironnements et Paléobiosphere, Université Lyon I
Padian Lab, UC Berkeley
Pterosauria – The Flying Reptiles
La Plage aux Ptérosaures
Mehr über die Spuren von Crayssac

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kompakte Genome bei frühen Fliegern
Spatzengroßer Flugsaurier entdeckt


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