Posted in: Biologie 13. August 2009 13:47 1 Kommentar Weiter lesen →

Pilz kontrolliert Ameise

Foto zeigt Ameise an Blattunterseite, aus dem 'Nacken' ein langer Stiel mit kugelförmigem Ende ragend Parasiten haben im Laufe der Evolution gelernt, ihre Wirte zu manipulieren. Besonders weit treibt es ein Pilz, der baumbewohnende Ameisen in den Wäldern Südostasiens befällt, hat eine internationale Forschergruppe entdeckt. Die Infizierten verlassen ihre Nester in luftigen Höhen und beißen sich in den Blättern kleiner Schösslinge fest, bevor sie sterben.

Foto: Pontoppidan M-B et al. (2009), PLoS ONE 4(3): e4835.

Dicht über dem Boden herrschen eine gleichbleibende Luftfeuchte und Temperatur, wie sie optimal für das Gedeihen des parasitischen Pilzes sind, ermittelten die Forscher um Sandra Andersen und David Hughes von der Universität Kopenhagen. “Der Pilz manipuliert die infizierten Ameisen präzise so, dass in ihren letzten Stunden einen weiten Weg zurücklegen und dort sterben, wo es der Parasit gerne hätte”, erklärt Hughes, derzeit an der Harvard University in Boston tätig.

Die Biologen führten ihre Beobachtungen im Dschungel Thailands durch. Dort legen Rossameisen der Art Camponotus leonardi ihre Nester in Baumkronen an, oft in Höhen von 15 Meter und mehr. Mit dem Pilz Ophiocordyceps unilateralis infizierte Tiere laufen die Baumstämme herab, suchen sich ein Blatt in einer Höhe von etwa 25 Zentimetern und verbeißen sich in einer Ader an der Blattunterseite. Die Manipulation durch den Pilz geht so weit, dass Schösslinge nordwestlich des Baumes bevorzugt werden, berichten die Forscher im Fachblatt “American Naturalist”.

Um sich den “Fang” zu sichern, durchdringen die Zellfäden des Pilzes nun rasch den gesamten Ameisenkörper und wandeln das Gewebe in Kohlenhydrate um. Der Chitinpanzer und die Kiefermuskeln der toten Ameise bleiben dabei allerdings unangetastet. Kurz darauf sprießt aus dem Kopf der Ameisenleiche ein stielförmiger Fruchtkörper, der Myriaden von Pilzsporen freisetzt.

Befestigten die Forscher die Blätter samt Ameisen in größeren Höhen, konnte der Pilz seine Entwicklung häufig nicht vollständig durchlaufen. Am Waldboden platziert, verschwanden die befallenen Leichen dagegen sehr rasch – vermutlich wurden sie von Aasfressern verspeist oder vom Regen fortgeschwemmt. Auf welche Weise der Pilz seine Opfer manipuliert, ist derzeit noch unklar.

Forschung: Sandra B. Andersen, Sylvia Gerritsma, Jacobus J. Boomsma und David P. Hughes, Centre for Social Evolution, Biologisk Institut, Københavns Universitet; und andere

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 174, DOI 10.1086/603640

WWW:
Center for Social Evolution, Universität Kopenhagen
Camponotus
Der fremde Wille

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  1. Pilz kontrolliert Ameise - Ameisenforum.de | 13. Oktober 2009 07:15

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