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Wie die Blase ihren Füllstand misst

Montag, 10. August 2009, 15:19 • Rubrik Medizin.

Foto zeigt blauen Pegel mit weißen Skalenstrichen und Zahlen an einer Kanalwand, WasseroberflächeIndem sich die Harnblase allmählich füllt, sendet sie intensiver werdende Nervensignale an das Gehirn. Den Anfang dieser Botenkette haben japanische Forscher möglicherweise gefunden. Ein von ihnen untersuchter Ionenkanal mit der Bezeichnung TRPV4 tritt umso stärker in Aktion, je mehr die Blasenwand mechanisch gedehnt wird.

Foto: S.J. de Waard via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Aus dieser Entdeckung könnten sich neue Ansatzpunkte für die Behandlung der Reizblase und anderer Blasenstörungen ergeben, hoffen Takaaki Sokabe vom National Institute for Physiological Sciences in Okazaki und seine Kollegen. Zuvor sind allerdings weitere Untersuchungen nötig – nicht zuletzt deshalb, weil TRPV4 bereits als Dehnungssensor im Herz-Kreislauf-System und in der Darmwand identifiziert worden ist.

Sokabe und Kollegen studierten das Urothel, die Zellschicht auf der Innenseite der muskulösen Blasenwand, mit einer eigens entwickelten “Streckbank”. Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass Urothelzellen auf Dehnung reagieren, indem sie Calciumionen durch ihre Zellmembran einströmen lassen und in der Folge ATP als Botenstoff an die Umgebung abgeben. Erst das ATP veranlasst Nervenzellen in der Blasenwand zur Aussendung von Signalen.

Der Calcium-Einstrom und die nachfolgenden Prozesse liefen stark gedämpft ab, wenn die Urothelzellen kein TRPV4 mehr bilden konnten, berichten die Forscher im “Journal of Biological Chemistry”. Einen ähnlichen Effekt beobachteten sie bei normalen Urothelzellen, die mit einem Hemmstoff gegen TRPV4 und nahe verwandte Proteine behandelt worden waren. Daher vermuten sie in TRPV4 den eigentlichen Füllstandmesser.

Forschung: Tsutomu Mochizuki und Takaaki Sokabe, Department of Urology, Interdisciplinary Graduate School of Medicine and Engineering, University of Yamanashi, Yamanashi, und Division of Cell Signaling, Okazaki Institute for Integrative Bioscience (National Institute for Physiological Sciences), Okazaki; und andere

Veröffentlichung Journal of Biological Chemistry, Vol. 284(32), pp 21257-64, DOI 10.1074/jbc.M109.020206

WWW:
National Institute for Physiological Sciences
Harnblase
Mechanosensitive Channels
Transient Receptor Potential Channels

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wie das Gehirn den Harn hält


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