Posted in: Genetik, Medizin, Psychologie 31. Juli 2009 13:41 Weiter lesen →

Drogenfester Fisch

Foto zeigt zwei kleine Fische, mit silbrigen Längsstreifen, in einem Aquarium Münchner Genetikerinnen haben einen Fisch erzeugt, der Drogen die kalte Schulter zeigt. Die Mutante trotz selbst hartnäckigen Versuchen, sie süchtig nach einem verbreiteten Rauschmittel zu machen. Die Besonderheiten ihres Erbguts könnten helfen zu verstehen, wie ein gelegentliches Vergnügen in eine dauerhafte Abhängigkeit ausufert.

Foto: NASA

Das Wissen über diesen Prozess und die damit einhergehenden Gehirnveränderungen sei bestenfalls lückenhaft, erläutern die Forscherinnen um Katharine Webb und Laure Bally-Cuif vom Helmholtzzentrum München im Fachblatt „Genome Biology“. Entsprechend habe man sich bei der Suche nach den beteiligten Genen bislang auf einzelne, naheliegende Kandidaten konzentriert.

Die Forscherinnen wählten einen umfassenderen Ansatz. Zunächst mischten sie eine Mutationen auslösende Substanz in Becken mit männlichen Zebrabärblingen (Danio rerio). Bei deren Nachwuchs versuchten sie dann, eine Sucht nach Amphetamin auszulösen. Bei den meisten der knapp 400 getesteten Tiere gelang dies auch – sie konnten durch die Droge in einen Teil ihres Aquariums gelockt werden, den sie ursprünglich gemieden hatten. Lediglich vier, ansonsten völlig normale Tiere erwiesen sich als unempfänglich, eines davon vererbte diese Eigenheit an seine Nachkommen.

Die Betrachtung von gut 43.000 DNA-Regionen führte zu 139 Genen, die bei dieser „nad“-Mutante („no addiction“) und normalen Artgenossen nach einem Kontakt mit Amphetamin unterschiedlich stark aktiviert oder deaktiviert wurden. Ein Teil dieser Gene spielt eine Rolle im „Belohnungssystem“ des Gehirns, das am Empfinden von Befriedigung und an der Entstehung von Sucht beteiligt ist. Verblüffenderweise ebenfalls stark vertreten sind solche Gene, die während der Gehirnentwicklung die Aktivität anderer Gene koordinieren. Bei normalen, ausgewachsenen Zebrabärblingen trat dieses genetische Netzwerk erneut in Aktion, sobald die Fische Kontakt mit ihrer Droge hatten.

Forschung: Katharine J. Webb und Laure Bally-Cuif, Institut für Entwicklungsgenetik, Helmholtzzentrum München, und Center for Integrated Protein Science, Technische Universität München, Neuherberg; und andere

Veröffentlichung Genome Biology, Vol. 10, R81, DOI 10.1186/gb-2009-10-7-r81

WWW:
Der Artikel online (Open Access)
Helmholtzzentrum München
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
Amphetamine
The Reward Circuit
Neurogenesis

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Eine Schwäche für Belohnungen


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