Posted in: Ernährung, Genetik, Gesundheit, Medizin 24. Juli 2009 13:30 1 Kommentar Weiter lesen →

Gen für weiblichen “Bauchspeck” gefunden

Foto: dreambigphotos /Fotolia Wie leicht ein Mensch durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel zu Übergewicht kommt, hängt auch von seinem Erbgut ab. Drei der beteiligten Gene hat ein internationales Forscherkonsortium nun identifiziert. Darunter ist das erste bekannte Gen, das offenbar nur bei Frauen die Ablagerung von Bauchfett beeinflusst.

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Diese Entdeckung könnte helfen zu verstehen, warum übergewichtige Männer eher zum “Apfeltyp”, Frauen dagegen zum “Birnentyp” der Fettverteilung neigten, erklärt Iris Heid vom Helmholtzzentrum München. Auf lange Sicht könnten die neuen Resultate auch dazu beitragen, die Entwicklung von Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Atherosklerose nachzuvollziehen und vielleicht mit Medikamenten aufzuhalten.

Heid, mittlerweile an der Universität Regensburg tätig, und eine Vielzahl von Kolleginnen und Kollegen trugen zunächst Daten aus 16 großangelegten Studien zusammen. Dabei war das Erbgut von 38.580 Europäern nach insgesamt mehr als 2,5 Millionen verschiedenen Variationen einzelner DNA-Buchstaben abgesucht worden. Bei 76 dieser SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms) zeichnete sich ein enger Zusammenhang mit dem Taillenumfang bzw. dem Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang ab.

Heid und Kolleginnen überprüften diese Resultate für 26 aussichtsreiche Varianten, indem sie das Erbgut von knapp 71.000 weiteren Personen betrachteten. Für drei Varianten konnten sie letztlich einen klaren Zusammenhang mit dem Taillenumfang bestätigen. Zwei davon liegen nahe der Gene TFAP2B und MSRA, die zugehörigen Proteine sind an der Regulation der Genaktivität bzw. an der Reparatur beschädigter Proteine beteiligt. Die dritte Variante liegt in der Nähe des Gens LYPLAL1, dessen Funktion noch unbekannt ist. In diesem Fall ließ sich die Verbindung nur bei Frauen nachweisen.

Auf welche Weise der Zusammenhang zwischen den Erbgutvarianten und der Leibesfülle zustande kommt, ist derzeit noch unklar. Auch könnten die drei Varianten die beobachtete Figur-Vielfalt nur zu einem kleinen Teil erklären, schreiben Heid und Kolleginnen im Fachblatt “PLoS Genetics”. Dies könne sich allerdings ändern, sobald man die Umgebung der Varianten genauer unter die Lupe genommen habe. In jedem Fall lieferten die neuen Resultate weitere Ansatzpunkte zum Verständnis des Übergewichts und seiner gesundheitlichen Konsequenzen.

Forschung: Cecilia M. Lindgren und Joshua C. Randall, Wellcome Trust Centre for Human Genetics, University of Oxford; Iris M. Heid und Claudia Lamina, Institut für Epidemiologie, Helmholtzzentrum München, Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin, Universitätsklinikum Regensburg, und Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Innsbruck; Valgerdur Steinthorsdottir, Decode Genetics, Reykjavik; und andere

Veröffentlichung Plos Genetics, Vol. 5(6), e1000508, DOI 10.1371/journal.pgen.1000508

WWW:
Institut für Epidemiologie, Helmholtzzentrum München
Wellcome Trust Centre for Human Genetics
Übergewicht / Adipositas
SNPs

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  1. 50 Kilo to go | 19. April 2010 14:30

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