Tukan mit Schnabelkühlung
Donnerstag, 23. Juli 2009, 20:00 • Rubrik Biologie, Physik.
Der vergleichsweise riesige Schnabel der Tukane hat einiges mit dem Kühler eines Autos gemein. Kanadische und brasilianische Forscher haben ermittelt, dass die Vögel ihre Körpertemperatur kontrollieren, indem sie die Durchblutung und damit die Wärmeabgabe der Schnabeloberfläche steuern.
Foto: Courtesy of Glenn Tattersall
Im Extremfall können die Vögel ihre Überschusswärme vollständig über den farbenprächtigen Schnabel abgeben, berichten die Biologen um Glenn Tattersall von der Brock University im Magazin “Science”. Gemessen an der Körpergröße, sei der Tukanschnabel somit eines der größten thermischen Fenster im Tierreich und mache sogar Elefantenohren Konkurrenz.
Die Forscher setzten vier erwachsene Riesentukane (Ramphastos toco) Temperaturen von 10 bis 35 Grad Celsius aus und filmten sie mit einer Infrarotkamera. Die Temperatur am Rücken der Vögel lag stets knapp über der Umgebungstemperatur, während die Augenregion konstant warm blieb. Anders dagegen die Schnabeloberfläche: Mit zunehmender Wärme stieg zunächst die Temperatur an der Basis und schließlich auch an der Spitze des Schnabels deutlich über die Umgebungstemperatur.
Foto: Courtesy of Glenn Tattersall
Eine ähnliche Schnabelerhitzung stellte sich ein, wenn die Vögel längere Zeit flogen und ihr Stoffwechsel reichlich zusätzliche Wärme produzierte. Jungvögel scheinen die Wärmeabgabe über den Schnabel allerdings noch nicht regulieren zu können. Offenbar können sie den Blutfluss durch das dichte Gefäßnetz zwischen Knochengerüst und Hornoberfläche des Schnabels nicht genügend stark steigern oder drosseln.
Die Wirksamkeit bei der Wärmeabstrahlung schließe andere Funktionen des leichtgewichtigen und gleichzeitig sehr stabilen Tukanschnabels nicht aus, betonen Tattersall und Kollegen. Einige Forscher sehen in dem Organ vornehmlich ein Werkzeug zum Verzehr von Früchten oder zum Ausräubern fremder Nester. Andere betrachten es eher als Signalgeber für die innerartliche Kommunikation.
Forschung: Glenn J. Tattersall, Denis V. Andrade und Augusto S. Abe, Department of Biological Sciences, Brock University, St. Catharines, Ontario, Departamento de Zoologia, Universidade Estadual Paulista, Campus Rio Claro, São Paulo, und Instituto Nacional de Ciência e Tecnologia em Fisiologia Comparada
Veröffentlichung Science, Vol. 325, 24. Juli 2009, pp 468-70, DOI 10.1126/science.1175553
WWW:
Tattersall Lab, Brock University
Departamento de Zoologia, Universidade Estadual Paulista
Ramphastos toco
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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Weiß jemand, ob das bei den Doppelhornvögeln ähnlich/genauso funktioniert?
So weit mir bekannt, ist bis heute nicht klar, wozu der „Schnabelaufsatz“ wirklich dient und die Temperaturregulation wäre eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Theorien.