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Baum mit Tarnfarbe

Donnerstag, 23. Juli 2009, 14:07 • Rubrik Biologie.

Foto zeigt jungen Horoeka, an einen überdimensionalen Tannenzweig erinnernd Viele Tiere machen sich durch ihre Färbung für Fressfeinde und Beute unsichtbar oder signalisieren im Gegenteil Wehrhaftigkeit. Diesen Trick beherrschen auch Pflanzen, lässt eine Untersuchung neuseeländischer und deutscher Forscher vermuten. Die seltsame Wuchsform und Färbung eines auf Neuseeland heimischen Baumes könnte demnach eine Anpassung an seinen Hauptfeind sein – den mittlerweile ausgestorbenen Moa.

Foto: Velela via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 2.5)

Pflanzen seien Krankheitserregern und Fressfeinden alles andere als wehrlos ausgeliefert, erläutert Kevin Burns von der Victoria University of Wellington. “Sie haben eine ganze Reihe von Abwehrmethoden entwickelt, beispielsweise Dornen und giftige Chemikalien”, so der Forscher. “Bislang gab es jedoch kaum Belege für eine auf Farbe basierende Verteidung.”

Gegenstand der Untersuchung war der Horoeka (Pseudopanax crassifolius), auch als Lancewood bekannt. Der Name kommt nicht von ungefähr: In seiner Jugend trägt der Baum lanzettförmige, bis zu einen Meter lange, graubraun gefärbte und mit Zähnen gespickte Blätter, die direkt an dem schlanken Stamm ansetzen. Erst wenn er im Alter von 15 bis 20 Jahren eine Höhe von drei bis vier Metern erreicht hat, entwickelt der Baum eine saftiggrüne Laubkrone.

Burn und Kollegen, darunter auch Martin Schaefer von der Universität Freiburg, gingen der Vermutung nach, dass Färbung und Wuchsform eine Anpassung an Moas darstellen. Dank ihres langen Halses noch Laub in drei Metern Höhe erreichend, waren die Riesenvögel einst die wichtigsten Pflanzenfresser auf Neuseeland. Nach der Ankunft der ersten menschlichen Siedler wurden sie jedoch rasch ausgerottet.

Die spektrographische Vermessung bestätigte, dass sich die noch wehrlosen Blätter eines Horoeka-Sämlings kaum von einem Hintergrund aus trockenem Laubstreu abheben – und daher für Moas nur schwer zu erkennen wären. Sobald die Pflanze etwas älter und größer ist, werden ihre Blattzähne dagegen von einem farblich hervorstechenden Gewebe flankiert. Dieses könnte Moas vor Kost gewarnt haben, die nur schwer zu schlucken ist und buchstäblich im langen Hals stecken bleiben könnte.

Eine nahe verwandte Baumart, die von den 800 Kilometer weiter östlich gelegenen und stets moafreien Chatham Islands stammt, zeigt dagegen keine solchen Farbveränderungen, berichten die Forscher im Fachblatt “New Phytologist”. Auch die Wuchsform verändere sich bei dieser Art weniger stark als beim Horoeka, so Burns weiter. Diese Beobachtung stütze die Vermutung, dass es sich vor allem um eine Anpassung an die ausgestorbenen Riesenvögel handle.

Forschung: Nik Fadzly, Cameron Jack und Kevin C. Burns, School of Biological Sciences, Victoria University of Wellington, Wellington; H. Martin Schaefer, Lehrstuhl für Evolutionsbiologie und Ökologie, Institut für Biologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Veröffentlichung New Phytologist, DOI 10.1111/j.1469-8137.2009.02926.x

WWW:
Burns Lab, Victoria University of Wellington
AG Martin Schaefer, Uni Freiburg
Lancewood/Horoeka
Moa

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