Posted in: Genetik 16. Juli 2009 20:00 Weiter lesen →

Extra-Gen macht Hunde klein

Foto zeigt braunen Kurzhaardackel, rotes Halsband, auf Wiese Ob Basset, Corgi oder Dackel – bei vielen Hunderassen ruht ein normal entwickelter Körper auf erstaunlich kurzen Beinen. Die genetische Ursache dafür glauben amerikanische Forscherinnen gefunden zu haben. Eine zurück in das Erbgut gelangte Gen-Abschrift scheint zu bewirken, dass die Wachstumszonen der Röhrenknochen frühzeitig verknöchern.

Foto: Tyrone Spady, NHGRI

Das Retrogen kommt bei sämtlichen Hunderassen vor, bei denen diese Form von Kurzbeinigkeit strikter Teil des Rassestandards ist, berichten Elaine Ostrander von den National Institutes of Health und ihre Kolleginnen im Magazin „Science“. Die meisten untersuchten Vertreter dieser Rassen haben es zudem von beiden Elternteilen geerbt. Dagegen ist das Retrogen bei keiner der untersuchten Rassen mit gut entwickelten Beinknochen zu finden.

Mit Hilfe von Genchips fahndeten Ostrander und Kolleginnen nach Varianten im Erbgut von 835 Hunden aus 76 Rassen. Dabei stießen sie auf einen Zusammenhang zwischen der Kurzbeinigkeit und einer Region auf Chromosom 18. Eine nähere Analyse ergab, dass kurbeinige Hunde in dieser Region einen rund 5.000 Basenpaare großen DNA-Abschnitt besitzen, der bei den übrigen Hunden fehlt.

Bei dem Abschnitt handelt es sich um eine kompakte Kopie des Gens Fibroblast Growth Factor 4 (FGF4). Sie geht zurück auf die von Regulationsabschnitten und Einschüben befreite RNA-Blaupause des Wachstumsfaktorgens, die wiederum in DNA umgeschrieben und in das Erbgut integriert wurde. Das so entstandene Retrogen ist heute noch aktiv und stört vermutlich die Balance verschiedener Wachstumsfaktoren.

Vermutlich tauchte das Retrogen bereits in einem gemeinsamen Vorläufer der heutigen Hunderassen auf. Anfangs wohl eher selten, trat es mit der Zucht kurzbeiniger Jagd- und Hütehunde einen ungeahnten Siegeszug an. Retrogene könnten nicht nur bei Nutztieren, sondern vielleicht auch in freier Wildbahn zu der großen evolutionären Formenvielfalt beitragen, vermuten Ostrander und ihre Gruppe.

Forschung: Heidi G. Parker und Elaine A. Ostrander, Cancer Genetics Branch, National Human Genome Research Institute, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland

Online-Veröffentlichung Science Express, 16. Juli 2009, DOI 10.1126/science.1173275

WWW:
Ostrander Lab, National Human Genome Research Institute
Dog Genome Project
Achondroplasie
American Kernel Club
Complete Breed List
Retrotransposition – der eigentliche Motor der Evolution?

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