Uralter Fischpenis
Montag, 13. Juli 2009, 19:06 • Rubrik Biologie, Paläontologie.
Kopulation und innere Befruchtung waren unter den Wirbeltieren schon früh verbreitet. Diese Ansicht bekräftigt die Entdeckung eines rund 400 Millionen Jahre alten Begattungsorgans durch einen schwedischen Forscher. Bereits die urtümlichen Panzerfische dürften sich demnach auf eine Weise fortgepflanzt haben, wie sie heute bei Haien und Rochen üblich ist.
Offenbar sei die Begattung mit penisartigen Anhängen der Bauchflossen weniger “fortschrittlich” als gemeinhin angenommen, erklärt Per Ahlberg von der Universität Uppsala. Der Forscher und seine australischen und britischen Kollegen präsentieren ihren Fund im Magazin “Nature”.
Ahlberg entdeckte den urzeitlichen Klasper im fossilen Skelett eines Incisoscutum ritchei, eines Vertreters der Placodermen. Mit Knochenplatten schwer gepanzert, starben diese frühen Vettern von Fischen und Landwirbeltieren gegen Ende des Devons vor rund 350 Millionen Jahren aus.
Ungeachtet ihrer archaischen Erscheinung, dürften sie eine modern anmutende Form von Sex praktiziert und lebende Junge zur Welt gebracht haben: Erst kürzlich hatten Ahlbergs Kollegen über die Entdeckung zweier weiblicher Fossilien berichtet, deren Leibeshöhle Föten samt Nabelschnur birgt.
Männliche Begattungsorgane konnten dagegen nicht entdeckt werden, sodass die Forscher vermuteten, diese hätten lediglich aus Knorpelgewebe bestanden und seien bei der Versteinerung nicht erhalten geblieben. Tatsächlich enthält das Incisoscutum-Fossil einen mehrere Zentimeter langen Klasper mitsamt knöchernem Gerüst, berichtet die Gruppe nun. “Er war die ganze Zeit über für jedermann sichtbar”, so Ahlberg, “wurde jedoch fälschlicherweise für einen Teil des Beckengürtels gehalten und nicht weiter beachtet.”
Forschung: Per Ahlberg, Evolutionär organismbiologi, Institutionen för fysiologi och utvecklingsbiologi, Uppsala universitet; Kate Trinajstic, Department of Applied Chemistry, Curtin University, und Western Australian Museum, Perth; und andere
Online-Veröffentlichung Nature, DOI 10.1038/nature08176
WWW:
Evolutionary Organismal Biology, Uppsala University
Western Australian Organic and Isotope Geochemistry Centre
Introduction to Placodermi
Mother Fish
Klaspern
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Bewährtes Konzept: Ältestes Männchen entdeckt
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