Posted in: Medizin 8. Juli 2009 16:25 Weiter lesen →

Ultraschall lockt Helfer ins Herz

Farbverstärktes Angiogramm zeigt das fein verästelte Netz der Herzkranzgefäße Stammzellen aus dem Knochenmark können helfen, die Folgen eines Herzinfarkts zu mildern. Ihre Einwanderung in das geschädigte Gewebe lässt sich mit einer ebenso eleganten wie einfachen Methode fördern, haben Forscher aus Bonn, Köln und Münster ermittelt. Wird das Zielgewebe mit hochintensivem Ultraschall gereizt, ruft es die Zellen an Ort und Stelle.

Bild: NIH-National Heart, Lung and Blood Institute

Derzeit sei der Einsatz von Stammzellen nach einem Infarkt wenig effizient, erläutert Alexander Ghanem vom Universitätsklinikum Bonn. „Wenn wir zum Beispiel 100.000 Knochenmarksstammzellen in die Blutbahn injizieren, finden sich davon eine Stunde später lediglich 3.000 im Herzen wieder.“ Die übrigen Zellen landeten größtenteils in Leber und Milz.

Ghanem und Kollegen führten ihre Pilotstudie an Ratten durch. Zunächst injizierten sie mikroskopisch kleine Gasbläschen in den Blutkreislauf der Tiere, dann richteten sie eng gebündelten Ultraschall auf das Zielgewebe im Herz. Durch die Schallwellen in Schwingung versetzt, reizten die Bläschen das Gewebe und veranlassten es zur Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe.

Auf dieses Signal reagierten auch ins Blut injizierte Stammzellen, berichten die Mediziner im „Journal of Molecular and Cellular Cardiology“. Obgleich der Ultraschall keine sichtbaren Schäden hinterließ, zwängten sich nun bis zu 40 Prozent mehr Stammzellen durch die Arterienwand in das gereizte Gewebe. Dieser Effekt war nicht nur in gesundem, sondern auch in infarktgeschädigtem Herzmuskel zu beobachten.

„Indem wir punktuell die vitale Randzone der Infarktnarbe beschallen, lassen sich die Stammzellen ganz gezielt dorthin dirigieren“, erklärt Klaus Tiemann vom Universitätsklinikum Münster. Nach einem Infarkt könnte auf diese Weise vielleicht der Umbau von Herzmuskel- in Narbengewebe gebremst und das Risiko für Rhythmusstörungen oder eine Pumpschwäche des Herzens reduziert werden.

Forschung: Alexander Ghanem und Georg Nickenig, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Bonn; Caroline Steingen, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln; Klaus Tiemann, Medizinische Klinik und Poliklinik C, Universitätsklinikum Münster; und andere

Veröffentlichung Journal of Molecular and Cellular Cardiology, DOI 10.1016/j.yjmcc.2009.06.008

WWW:
Kardiologie/Pneumologie, Uniklinikum Bonn
Herzinfarkt: Alarmzeichen

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