Seepferdchen mögen üppige Damen
7. Juli 2009 17:37 Drucken
Bei Seepferdchen ist einiges anders als bei anderen Tieren, belegen Experimente Zürcher Forscher. Bei der Balz sind es demnach die weiblichen Seepferdchen, die ihr Gegenüber beeindrucken müssen. Am besten gelingt ihnen das durch eine stattliche Statur.
Foto: LVM /Fotolia
Obgleich bei Seepferdchen die Männchen schwanger werden, sei man bislang von einer klassischen Verteilung der Geschlechterrollen bei der Balz ausgegangen, so Beat Mattle und Anthony Wilson von der Universität Zürich. Die neuen Beobachtungen legten jedoch die Vermutung nahe, dass es die Körpergröße der Weibchen sei, die einer stärkeren sexuellen Selektion unterliege – also durch die Vorlieben des anderen Geschlechts geformt werde.
Mattle und Wilson arrangierten Begegnungen zwischen Seepferdchen der Art Hippocampus abdominalis, die aus einer Zuchtstation auf Tasmanien stammten. Je 30 männliche und weibliche Tiere wurden mit zwei Vertretern des anderen Geschlechts in ein Becken gesetzt, waren von diesen jedoch durch eine Glasscheibe getrennt.
Wie die Forscher im Fachblatt “Behavioral Ecology and Sociobiology” berichten, zeigten sich deutliche Unterschiede im Verhalten der beiden Geschlechter. Vor die Wahl zwischen zwei Weibchen gestellt, entfalteten die Männchen rege Aktivität, schwammen nahe an die Trennscheibe heran und versuchten, das typische Balz-Ballett zu initiieren. Meist galten ihre Bemühungen dem größeren Weibchen. Ihrerseits vor die Wahl gestellt, verhielten sich Weibchen dagegen eher lustlos und schienen sich durch Größe nicht beeindrucken zu lassen.
Männliche Hippocampus abdominalis verfügten über sehr geräumige Bauchtaschen, schreiben Mattle und Wilson. Daher könnten wohl auch kleinere Männchen sämtliche Eier eines Weibchens übernehmen, sodass eine Größenpräferenz auf Seiten der Weibchen keinen klaren Vorteil mit sich bringe. Umgekehrt wisse man aus früheren Studien, dass mit der Körpergröße des Weibchens Zahl und Größe der Nachkommen wüchsen. Die Männchen hätten also allen Grund, wählerisch zu sein.
Forschung: Beat Mattle und Anthony B. Wilson, Zoologisches Museum der Universität Zürich
Veröffentlichung Behavioral Ecology and Sociobiology, DOI 10.1007/s00265-009-0804-8
WWW:
Wilson Lab, Uni Zürich
Biology of Seahorses: Reproduction
Sexual Selection
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