Wagners guter Ton
2. Juli 2009 18:05 Drucken
Die Opern Richard Wagners gelten nicht gerade als einfache Kost. Tatsächlich hat der Komponist einigen Aufwand getrieben, um Zuhörern und Sängern den Umgang mit seinem Werk zu erleichtern, glauben zwei australische Physiker. Bei der Analyse mehrerer Wagner-Opern fanden sie, dass Vokale darin auffällig oft in einer besonders günstigen Tonhöhe gesungen werden.
Scala Milano. Foto: Amro /Fotolia
“Es scheint, als hätte Wagner – bewusst oder unbewusst – die Akustik der Sopranstimme berücksichtigt, wenn er Worte und Musik zusammenführte”, folgern John Smith und Joe Wolfe von der University of New South Wales. Dieses Resultat stehe im Einklang mit der gesteigerten Bedeutung, die Wagner dem Text in seinen Opern beigemessen habe.
Bei aller Sangeskunst sind Sopranistinnen kaum noch verständlich, wenn sie ihre Stimme in die höchsten Höhen treiben. Der Grund dafür liegt weniger in der Belastung für die Stimmbänder. Vielmehr lässt sich die Gestalt von Mund- und Rachenraum nicht unbegrenzt verändern. Übersteigt die Tonhöhe einen kritischen Wert, bleiben daher Resonanzen im Vokaltrakt aus, die für die Unterscheidung der Vokale nötig sind: geschlossene Vokale wie “i” und “u” verlieren früher an Kontur als etwa das offene “a”.
Smith und Wolfe analysierten den kompletten “Ring des Nibelungen” sowie “Tristan und Isolde” im Hinblick auf diesen Effekt. Ihre Analyse von mehr als zehntausend Noten-Vokal-Paaren spricht für eine bemerkenswerte Anpassung an den Vokalverschleiß: Sowohl bei Brünnhilde als auch bei Isolde werden geschlossene und halbgeschlossene Vokale mit steigender Tonhöhe seltener, halboffene und offene dagegen häufiger.
In mehreren Opern von Mozart, Rossini und Richard Strauss ist kein solcher Zusammenhang erkennbar, berichten die Forscher im “Journal of the Acoustical Society of America”. Angesichts der sehr engen Beziehungen, die Komponisten und Sopranistinnen mitunter gepflegt hätten, sei es allerdings vorstellbar, dass zwischen ihnen auch Fragen der Akustik angesprochen worden seien.
Forschung: John Smith und Joe Wolfe, School of Physics, University of New South Wales, Sydney
Veröffentlichung Journal of the Acoustical Society of America, Vol. 125(5), pp EL196-EL201, DOI 10.1121/1.3104622
WWW:
Music Acoustics Group, University of New South Wales
Wagner Web
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