Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 1. Juli 2009 13:14 Weiter lesen →

Krähengangs trotzen Raben

Foto zeigt Nebelkrähe, dunkler Kopf, helles Rücken- und Brustgefieder Gut gemeinte Eingriffe in die Natur können unerwartete Folgen haben, belegt ein Experiment britischer Ökologen. Nachdem sie auf einer kleinen Insel den Großteil der Nebelkrähen gefangen hatten, stieg die Zahl ausgenommener Nester stark an. Der Grund: Die wenigen Kolkraben konnten sich nun ungestört auf dem Eiland bewegen.

Foto: Andrew Butko (Андрей Бутко) via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

„Gemeinsam stark, konnten die Krähen dem Verhalten der Raben Grenzen setzen – und das, obwohl letztere größer, schlauer und bei Begegnungen zwischen einzelnen Vögeln normalerweise überlegen sind“, erklären die Forscher um Stuart Bearhop von der Queen’s University Belfast und der University of Exeter. Wenn man zum Schutz einer bedrohten Art deren wichtigsten Räuber dezimiere, könne man also vom Regen in die Traufe kommen.

Bearhop und seine Kollegen führten ihre Studie auf der Insel Rathlin durch, rund 1.500 Hektar groß und wenige Kilometer vor der Nordostspitze Irlands gelegen. Im Jahr 2006 lebten dort – neben vielen anderen Vogelarten – sechs Kolkraben-Brutpaare und insgesamt 72 Nebelkrähen. Im folgenden Jahr reduzierten die Forscher die Zahl der Nebelkrähen versuchsweise auf sechs Tiere.

Regelmäßige Kontrollgänge und künstlich angelegte Gelege als Köder offenbarten bemerkenswerte Veränderungen, berichten die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“. Vom einem Jahr zum anderen dehnten die Kolkraben ihren Aktivitätsradius um die Hälfte auf 750 Meter aus und waren nun auch häufiger in der Nähe ehemaliger Krähennester zu beobachten. Und obwohl die Gesamtzahl potenzieller Nesträuber auf weniger als ein Fünftel reduziert worden war, wurden die Ködernester nun deutlich schneller ausgenommen.

Die genauen Mechanismen hinter dem Phänomen sind noch unklar, schreiben Bearhop und Kollegen. Ein wichtiger Faktor dürfte aber die Vehemenz sein, mit der Rabenvögel ihre Nistplätze gegen potenzielle Räuber verteidigen. Tatsächlich sei bereits beobachtet worden, dass potenzielle Opfer von Rabenvögeln in der Nähe von deren Nestern besonders erfolgreich brüteten. Im Falle Rathlins sei die schiere Überzahl an Nebelkrähen geeignet gewesen, den großen Kolkraben das Leben schwer zu machen.

Forschung: Thomas W. Bodey und Stuart Bearhop, Quercus, Queen’s University Belfast, und Centre for Ecology and Conservation, University of Exeter, Penryn; Robbie A. McDonald, Food and Environment Research Agency, York

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0373

WWW:
Ecology and Conservation Biology Research Group, University of Exeter
Rabenvögel

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Dohlen lesen in menschlichen Gesichtern


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