Posted in: Biologie, Paläontologie 22. Juni 2009 23:00 Weiter lesen →

Kleiner Ur-Rüssler

Fotos zeigt das bräunliche Schädelfragment mit Oberkiefer und Zähnen in Gaumen- und Seitenansicht, Größenmaßstab 1 cm Auch wenn es heutige Elefanten auf eine Masse von mehreren Tonnen bringen können, sind ihre Wurzeln doch eher bescheiden. Das demonstrieren Fossilien des urtümlichsten bekannten Rüsseltiers, die ein französischer Paläontologe untersucht hat. Der Elefanten-Urahn dürfte höchstens acht Kilogramm auf die Waage gebracht haben – nicht mehr als ein kleiner Hund.

Verglichen mit seiner heutigen Verwandtschaft, war Eritherium ein Winzling. Fotos: Courtesy of the National Academy of Sciences, PNAS

Die Knochen und Zähne waren vor einiger Zeit in 60 Millionen Jahre altem Gestein in Marokko gefunden worden. Damit sind sie gut fünf Millionen Jahre älter als die Fossilien des bisherigen Rekordhalters, schreibt Emmanuel Gheerbrant vom Pariser Muséum National d’Histoire Naturelle in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Der Fund bestätige die Auffassung, dass sich in Afrika zu jener Zeit schlagartig neue Säugerordnungen entwickelt hätten.

Gheerbrant untersuchte Fragmente von Schädelknochen sowie Zähne aus Unter- und Oberkiefer, die im marokkanischen Phosphattagebau, einer wahren Fundgrube für Paläontologen, entdeckt worden waren. Aus der Abfolge der verschiedenen Gesteinsschichten und der darin enthaltenen Haifossilien schließt der Forscher, dass die Fossilien älter sind als die des bislang urtümlichsten Rüsseltiers, des Phosphatherium.

Anhand von insgesamt 15 Fundstücken beschreibt Gheerbrant die neue Gattung und Art Eritherium azzouzorum. Das Gebiss des kleinen Rüsseltiers erinnere nicht nur an nahe verwandte Ordnungen der Afrikanischen Säugetiere (Afrotheria), so der Forscher. Auch mit dem theoretischen Ahn der „Stammhuftiere“ bestehe in dieser Hinsicht verblüffende Ähnlichkeit. Unter Paläontologen ist umstritten, ob diese Gruppe mehr ist als ein Sammelbecken für frühe Plazentatiere mit noch ungeklärten Verwandtschaftsverhältnissen. Umso nützlicher könnte der Neuling als urtümlicher Vertreter einer klar definierbaren Ordnung sein, so Gheerbrant.

Forschung: Emmanuel Gheerbrant, UMR 7207, Centre de Recherche sur la Paléobiodiversité et les Paléoenvironnements, CNRS und Muséum National d’Histoire Naturelle, Paris

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0900251106

WWW:
Emmanuel Gheerbrant, MNHN
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