Echoortung bei Spitzmäusen
17. Juni 2009 07:41 Drucken
Wenn Spitzmäuse quietschen und zwitschern, tun sie das nicht unbedingt zur Kommunikation mit Artgenossen. Neue Belege für diese Vermutung liefern Versuche, die Forscher aus Seewiesen gemeinsam mit Kollegen aus Tübingen und Berlin angestellt haben. Fledermäusen nicht unähnlich, scheinen sich Spitzmäuse anhand der Echos ihrer Laute ein Bild von der Umgebung zu machen.
Waldspitzmäuse (Sorex araneus) und ihre Verwandtschaft benötigen reichlich “Treibstoff” für ihren hochtourigen Stoffwechsel. Foto: Sophie von Merten via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0)
Dieses akustische Bild dürfte allerdings nur den Bereich gerade außerhalb der Schnurrhaare zeigen und nicht allzu detailliert sein, vermuten Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Kollegen. “Man könnte es vielleicht mit einem Menschen vergleichen, der heraushört, ob er in einen Buchenwald ruft oder in einen hallenden Weinkeller”, schreiben die Forscher im Fachblatt “Biology Letters”.
Spitzmäuse produzieren eine Reihe verschiedener Laute. Insbesondere die Funktion eines hellen Zwitscherlauts ist jedoch umstritten. Zwar wird seit Jahrzehnten immer wieder untersucht, ob dieser Laut möglicherweise zur Echoortung dient, die Resultate sind jedoch nicht eindeutig.
Siemers und Kollegen gingen die Frage mit Hilfe von 16 Wald- und Hausspitzmäusen an, die sie im Freiland gefangen hatten und nach Abschluss der Versuche auch wieder dort aussetzten. Die Tiere wurden in Terrarien gesetzt, die mit einzelnen Heuhalmen oder 2 bzw. 7 Zentimeter hoch mit Heu ausgelegt waren. Mitunter war noch ein Papierschnipsel beigefügt, der einige Zeit im Käfig eines Artgenossen gelegen hatte. Während die Spitzmäuse ihre neue Umgebung erkundeten, zählten die Forscher, wie häufig sie den Zwitscherlaut von sich gaben.
Bei beiden Spezies zeigte sich das gleiche Bild: Mit der Dichte des Heupolsters stieg der Anteil des Zwitscherlauts an allen registrierten Lauten – bei den Waldspitzmäusen vervierfachte er sich und bei den Hausspitzmäusen verzehnfachte er sich sogar. Der Geruch eines Artgenossen hatte dagegen keinen Einfluss auf die Zwitscher-Häufigkeit. Experimente mit einem kleinen Lautsprecher und Mikrofon in Spitzmaushöhe bestätigten, dass die Lautstärke der Echos mit der Struktur der Umgebung variiert. Dieser Effekt könnte den Tieren einen groben Eindruck von ihrer Umgebung vermitteln.
Forschung: Björn M. Siemers und Sophie von Merten, Arbeitsgruppe Sinnesökologie, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen; Grit Schauermann, Lehrstuhl Tierphysiologie, Universität Tübingen; Hendrik Turni, Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0378
WWW:
Arbeitsgruppe Björn Siemers, MPI für Ornithologie
Lehrstuhl Tierphysiologie, Uni Tübingen
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