Ein Neandertaler aus der Nordsee

16. Juni 2009 15:23 Drucken

Grafik zeigt das Knochenfragment farbig markiert in einem Schädel, ein Foto daneben zeigt das dunkelbraune Original, vorsichtig gehalten von behandschuhten HändenEin Amateurforscher hat den ersten Neandertaler der Niederlande entdeckt. Das Fundstück, ein Fragment des Schädelknochens, wurde von einem Muschelfischer vom Grund der Nordsee geholt und landete zunächst im Abfall. Dort fiel es schließlich dem Hobbypaläontologen auf.

Bilder: MPI für evolutionäre Anthropologie (links) und Erik de Goederen

Das Alter des Knochenfragments mit seinem typischen, stark entwickelten Augenbrauenwulst wird auf mehr als 40.000 Jahre geschätzt. Zu dieser Zeit lag ein Teil des Nordseebodens trocken und war fruchtbares, von Flüssen durchzogenes Land. Dementsprechend holen Fischer und Kiesbagger immer wieder uralte Knochen, Werkzeuge und andere Artefakte an die Oberfläche.

Laut Mitteilung des Nationalen Altertümermuseums, des Rijksmusem van Outheden, wurde das Schädelfragment bereits vor einigen Jahren rund 15 Kilometer vor der Küste Zeelands in einem als Middeldiep bezeichneten Gebiet geborgen. Seitdem wurde es von einer Forschergruppe um Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersucht.

Das Fragment des Stirnbeins dürfte demnach von einem jungen Mann stammen. Es weist eine kleine Einbuchtung auf, die vermutlich von einem gutartigen Tumor herrührt, der möglicherweise schon bei der Geburt vorhanden war. Das Muster verschiedener Isotope lässt darauf schließen, dass sich der Mann überwiegend von Fleisch ernährte.

Forschung: Jean-Jacques Hublin, Abteilung Humanevolution, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; und andere

Veröffentlichung Journal of Human Evolution (im Erscheinen)

WWW:
Rijksmuseum van Oudheden
Human Evolution, MPI für evolutionäre Anthropologie
Hall of Human Ancestors
Wie lebten die Neandertaler?

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Faustkeile aus der Nordsee

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