Die Evolution eines Blutsaugers
Dienstag, 2. Juni 2009, 7:57 • Rubrik Biologie, Genetik, Klima, Umwelt.
Das Wirken der Evolution lässt sich auf den Galápagos-Inseln besonders gut verfolgen. Das gilt nicht nur für die schönen und fotogenen Arten, belegt die Arbeit einer internationalen Forschergruppe. Demnach hat vor etwa 200.000 Jahren eine Stechmücke den Weg auf die Inseln im Pazifik gefunden und dort eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht.
Im Laufe der Zeit hat sich die Stechmücke beim Blutsaugen auf Reptilien verlegt. Foto: Penelope Curtis
Unter anderem hat sich die Stechmücke küstenferne Höhenlagen erschlossen, die auf dem Festland durch Konkurrenten besetzt sind, fanden Arnaud Bataille von der Universität Leeds und von der Zoological Society of London. Und in Umkehrung der gewohnten Verhältnisse scheint das Insekt mittlerweile Reptilien den Vorzug vor Säugern und Vögeln zu geben. Aufgrund dieser Anpassungen könnte es vom Festland kommende Krankheitserreger rasch auf die einzigartige Inselfauna übertragen, befürchten die Forscher.
Zur Tierwelt des Galápagos-Archipels zählen heute auch drei Arten von Stechmücken. Zwei davon wurden erst vor wenigen Jahren eingeschleppt und sind auf die Umgebung menschlicher Siedlungen beschränkt. Die dritte Art dagegen, Aedes taeniorhynchus, ist auf den Inseln weit verbreitet und wurde dort schon im 19. Jahrhundert gesichtet. Bislang wurde vermutet, dass sie ebenfalls im Gefolge des Menschen auf die Inseln gelangte.
Die Forscher verglichen nun das Erbgut von mehreren Hundert Exemplaren, die auf den Inseln und auf dem amerikanischen Kontinent gefangen worden waren. Mit verblüffenden Resultaten: “Die genetischen Unterschiede zwischen den Galápagos-Stechmücken und ihren Verwandten auf dem Festland sind ähnlich groß wie die zwischen verschiedenen Arten”, erklärt Bataille. Gemessen an der Zahl der Unterschiede, dürften die beiden Gruppen seit mehr als 100.000 Jahren voneinander getrennt sein. Darüber hinaus zeichnet sich unter den Inselmücken eine Auseinanderentwicklung von Küsten- und Bergpopulationen ab.
Aedes taeniorhynchus saugt üblicherweise das Blut größerer Säuger, wie sie auf den Galápagos-Inseln relativ selten sind. Auch an diesen Umstand scheinen sich die Mücken angepasst zu haben, ergab die Analyse von 105 Blutmahlzeiten. Fast 60 Prozent davon stammten von Meerechsen und Riesenschildkröten, berichten die Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. In lediglich einem Fall stammte das Blut von einem Vogel – und das, obwohl Vögel an mehreren Sammelstellen häufiger waren als Reptilien.
An die Inselumwelt und ihre Bewohner gut angepasst, könnte die Stechmücke einen effektiven Überträger für eingeschleppte Viren und andere Krankheitserreger darstellen. Umso dringender geboten seien Vorsichtsmaßnahmen wie das Versprühen von Insektiziden in Flugzeugen, so die Forscher.
Mittlerweile kommen jährlich gut 160.000 Touristen auf die Inseln, vier Mal mehr als noch vor 15 Jahren. “Indem der Tourismus derart rasch wächst, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Stechmücke in einem Flugzeug auf die Inseln gelangt”, erläutert Batailles Kollege Andrew Cunningham. “Sollte eine neue Krankheit diesen Weg nehmen, steht zu befürchten, dass sie von den Galápagos-Stechmücken übernommen und über den Archipel verbreitet wird.”
Forschung: Arnaud Bataille, Andrew A. Cunningham und Simon J. Goodman, Institute of Integrative and Comparative Biology, University of Leeds, Institute of Zoology, Zoological Society of London, und NERC Molecular Genetic Facility, University of Sheffield; und andere
Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0901308106
WWW:
Institute of Integrative and Comparative Biology, University of Leeds
Zoological Society of London
Galápagos Genetics, Epidemiology and Pathology Laboratory
Darwins Reise
Aedes taeniorhynchus
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schildkröte “Lonesome George” vielleicht doch nicht allein
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(Trackback) Wettlauf mit dem Virus, Vogelforschung mit GPS, Stechmücken auf Galápagos…
Es würde mich interessieren, wenn die Gefahr der Uebertragung von Krankheiten durch Mosquitos so gross ist , ob dann nicht AIDS auch dazugehört?
Was mich bei meinem Tropenaufenthalt interessiert hat, war wie lange kann ich Wasser stehen lassen, ohne dass darin Mosquitos sich entwickeln können.
Also wie lange hat eine Mosquitolarve bis sie schlüpft?