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Reisetagebuch im Haar

Donnerstag, 28. Mai 2009, 13:38 • Rubrik Chemie, Technik.

Foto zeigt Astronautin mit langem, schwerelos schwebenden Haar Nicht nur der Konsum von Drogen, auch eine rege Reisetätigkeit hinterlässt Spuren im Haar. Das haben englische und spanische Chemiker im Rahmen einer Pilotstudie nachweisen können. Bei einer Person, die sich in den Monaten zuvor in verschiedenen Ländern aufgehalten hatte, stellten sie relativ ausgeprägte Variationen der Schwefelisotope entlang eines einzigen Haares fest.

Exzellente Voraussetzungen für eine Isotopenanalyse. Foto: NASA

Bei zwei Kontrollpersonen, die nicht ins Ausland gereist waren, fielen diese Schwankungen deutlich schwächer aus, fanden Rebecca Santamaría-Fernández von der Analytikfirma LGC in Teddington und ihre Kollegen. Eine entsprechend große Datensammlung vorausgesetzt, könnte der Aufenthaltsort nachträglich anhand des Isotopenmusters in ihrem Haar bestimmt werden, glauben sie.

Santamaría-Fernández und Kollegen führten ihre Versuche mit Kopfhaaren durch. Diese wurden an verschiedenen Positionen mit intensiven Laserpulsen beschossen und das dabei verdampfte Material in einem Massenspektrometer analysiert. Besonders interessierten sich die Forscher für unterschiedlich schwere Varianten von Schwefelatomen, die Isotope Schwefel-32 und Schwefel-34, im Hornprotein Keratin.

Bei den beiden Personen, die Großbritannien im letzten halben Jahr nicht verlassen hatten, schwankte das Mengenverhältnis der beiden Isotope um weniger als 1,2 Promille, fanden die Forscher. Bei jener Person, die sich längere Zeit in Kroatien, Österreich, Großbritannien und Australien aufgehalten hatte, zeigten sich dagegen Schwankungen um mehr als 5 Promille.

Je nach dem Aufenthaltsort und der dort konsumierten Speisen und Getränke variiert also das Verhältnis der in das wachsende Haar eingelagerten Schwefelisotope, folgern die Forscher. Die Tatsache, dass dieser Effekt schon an einem einzigen Haar nachvollziehbar sei, könnte nicht nur für Bevölkerungsstudien genutzt werden, sondern auch für kriminalistische Zwecke – etwa zur Überprüfung der Alibis von Tatverdächtigen.

Forschung: Rebecca Santamaría-Fernández und Ruth Hearn, LGC, Teddington; Justo Giner Martínez-Sierra, Departamento de Química Física y Analítica, Universidad de Oviedo; und andere

Veröffentlichung Analytical and Bioanalytical Chemistry, Vol. 394(1), pp 225-33, DOI 10.1007/s00216-009-2615-1

WWW:
LGC
Química Física y Analítica, Universidad de Oviedo
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