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Gehemmte Blutgefäße

Donnerstag, 21. Mai 2009, 22:08 • Rubrik Medizin.

Forscherinnen aus Frankfurt und Mailand haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der im Körper die Entwicklung von Blutgefäßen kontrolliert. Ein kleiner Nukleinsäure-Schnipsel, von den Zellen selbst produziert, sabotiert für die Gefäßneubildung förderliche Gene.

Die gezielte Beeinflussung dieser Mikro-RNA könnte daher vielleicht bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen und den resultierenden Erkrankungen helfen, schreiben Stefanie Dimmeler von der Universität Frankfurt und ihre Kolleginnen im Magazin “Science”.

Zu diesen Erkrankungen gehören Herzinfarkt und Koronare Herzkrankheit, ebenso der diabetische Fuß oder die arterielle Verschlusskrankheit, bekannt als “Schaufensterkrankheit”. Im Gegenzug sichern Tumoren sich ihre Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, indem sie gezielt die Bildung neuer Blutgefäße anregen. Die Forscherinnen haben bereits ein Patent auf ihre Arbeit beantragt.

Das von Dimmeler und ihrer Gruppe untersuchte Molekül trägt die Bezeichnung miR-92a und gehört zu den Mikro-RNAs. Anders als typische Abschriften des Erbguts, werden diese kurzen RNA-Moleküle nicht in Protein übersetzt. Vielmehr lagern sie sich an die herkömmlichen Blaupausen an und verhindern so deren Verarbeitung. Auf diese Weise beeinflussen Mikro-RNAs eine Vielzahl von Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen.

Im Fall von miR-92a zeigt sich dies vor allem in einer gebremsten Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), fanden die Medizinerinnen. Pflanzten sie Mäusen, die besonders viel miR-92a bildeten, kleine Gelklümpchen ein, wurden diese nur zögerlich von Blutgefäßen bzw. deren Vorläufern durchzogen. Dagegen waren Beine und Herzmuskel von Tieren, bei denen miR-92a blockiert wurde, zumindest teilweise vor den Folgen eines Arterienverschlusses bzw. Infarkts geschützt.

Die Mikro-RNA entfaltet ihren hemmenden Effekt auf die Angiogenese unter anderem dadurch, dass sie die Produktion von Integrinen unterdrückt, ermittelten Dimmeler und Kolleginnen. Diese Proteine sitzen in der Zellmembran und vermitteln den Kontakt zwischen einer Zelle und ihren Nachbarinnen sowie der interzellulären Matrix. Wurde die Aktivität des zugehörigen Integringens (ITGA5) stark erhöht bzw. gesenkt, zeigten miR-92a bzw. der zugehörige Hemmstoff eine deutlich verringerte Wirkung.

Forschung: Angelika Bonauer und Stefanie Dimmeler, Institut für kardiovaskuläre Regeneration, Zentrum für Molekulare Medizin, Goethe-Universität Frankfurt; Marina Mione, Istituto FIRC di Oncologia Molecolare, Mailand; und andere

Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science.1174381

WWW:
Kardiologie, Uni Frankfurt
RNA Interference
Angiogenesis

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