Posted in: Archäologie, Chemie, Technik 20. Mai 2009 01:01 Weiter lesen →

Altersbestimmung mit Feuer und Wasser

istockphoto_roemische-villa-sussex-england_300 In Fliesen, Töpferwaren und ähnlichen Gegenständen tickt eine Art innerer Uhr. Eine Methode, um diese Uhr abzulesen und damit das Alter der Objekte zu bestimmen, hat eine englische Forschergruppe entwickelt. Sie nutzt aus, dass keramische Materialien nach dem Brennen Feuchtigkeit aufnehmen und dass dieser Prozess über viele Jahrhunderte andauert.

Kacheln einer altrömischen Villa in Sussex, England. Foto: Laurence Gough /iStockphoto

Mit Hilfe eines Ofens und einer hochempfindlichen Waage kann das Alter solcher Objekte daher leicht bestimmt werden, fanden Moira Wilson von der University of Manchester und ihre Kollegen. Die Obergrenze für diese Datierungsmethode liegt derzeit bei etwa 2.000 Jahren, berichten sie in den „Proceedings of the Royal Society A“.

Gefäße, Ziegel und Fliesen werden und wurden häufig aus Tonmineralien hergestellt. Beim Brennen bilden sich darin Sauerstoffbrücken zwischen den Siliziumatomen. Sobald die Objekte aus dem Brennofen kommen, ziehen sie Wasser, das diese Brücken allmählich wieder spaltet. Wilson und Kolleginnen erforschen diese Rehydroxylierung seit Jahren und haben ermittelt, dass die Wasseraufnahme – und damit die Gewichtszunahme – sehr gleichmäßig abläuft und sich durch ein einfaches Potenzgesetz beschreiben lässt.

Anhand altrömischer, mittelalterlicher und barocker englischer Kacheln belegt die Forschergruppe nun, dass dieser Mechanismus eine verlässliche Datierung erlaubt. Dazu wird das zu datierende Objekt gründlich gereinigt, schonend getrocknet und gewogen. Danach wird es bei 500 Grad Celsius gebrannt und erneut gewogen. Anhand der Masse des dabei ausgetriebenen Wassers und der Geschwindigkeit der erneuten Wasseraufnahme – ermittelt durch mehrfaches Wiegen an den Folgetagen – lässt sich schließlich das Alter des Objekts berechnen.

Problematisch sind allerdings Stücke, die nach dem ursprünglichen Brennvorgang erneut großer Hitze ausgesetzt waren. Wilson und Kolleginnen demonstrieren dies am Beispiel einer Kachel, die Archäologen im Jahr 2003 im englischen Canterbury geborgen hatten. Die Methode liefert in diesem Fall ein Alter von rund 60 Jahren – entsprechend den Luftangriffen im 2. Weltkrieg.

Forschung: Moira A. Wilson und Margaret A. Carter, School of Mechanical, Aerospace and Civil Engineering, University of Manchester; Christopher Hall, School of Engineering und Center for Materials Science and Engineering, University of Edinburgh; Ian M. Betts, Museum of London Archaeology, London; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society A: Mathematical and Physical Sciences, DOI 10.1098/rspa.2009.0117

WWW:
Construction Science Special Interest Group, University of Manchester
Keramiken
Datierungsmethoden

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Nazca: Bergbau für Farbenpracht
Hessisches Hightech für frühe Forschung


Posted in: Archäologie, Chemie, Technik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,40 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.