Nippes aus dem alten Rom
Freitag, 15. Mai 2009, 12:27 • Rubrik Archäologie, Physik.
Schon vor mehr als 1.800 Jahren wurden Zierfiguren kostensparend in Massenproduktion hergestellt. Entsprechende Hinweise haben Münchner Forscher bei der Untersuchung einer altrömischen Statuette entdeckt. Die Bronzefigur ist hohl und ihre Beine wurden nachträglich angesetzt.
Bilder: Martin Mühlbauer / TUM
“All das lässt auf eine antike Serienproduktion schließen”, folgert Rupert Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München und der Universität Regensburg. Die Hohlbauweise helfe wertvolles Metall sparen und die angestückelten Beine seien weniger zerbrechlich als bei der Fertigung aus einem Guss.
Die 28 Zentimeter hohe Bronzestatuette zeigt den Götterboten Merkur. Entdeckt bei Grabungen in Obernburg am Main, dürfte sie aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus stammen. Um mehr über ihre Herstellung zu erfahren, ließen Gebhard und Kollegen sie am Münchner Forschungsreaktor per Neutronentomografie untersuchen. Dabei wird das Objekt mit Neutronen aus verschiedenen Winkeln “durchleuchtet”, um aus Hunderten von Einzelaufnahmen ein dreidimensionales Modell berechnen zu können.
Im Innern der hohlen Bronzestatuette befindet sich demnach ein loses Kügelchen, das vom ursprünglichen Gusskern stammen könnte. Dieser ist durch ein Türchen entfernt worden, das nach dem Guss in den Rücken der Figur gestemmt und wieder abgedeckt wurde. Das zugehörige Blech ist mit bloßem Auge kaum, auf der Tomografie jedoch deutlich zu erkennen. Zudem wurden die Beine separat gefertigt und nur im Überfangguss, dem Zusammenfügen vorgefertigter Teile in einer Gussform, mit dem Körper des Merkur verbunden.
Forschung: Martin Mühlbauer, Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz, Technische Universität München; Bernd Steidl und Rupert Gebhard, Archäologische Staatssammlung München und Institut für Geschichte, Universität Regensburg
WWW:
Forschungs-Neutronenquelle, TU München
- Antares
Archäologische Staatssammlung München
Kastell Obernburg
Bronze
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Erste Fund-Datierung per “Röntgensäge”
Römisches “Souvenir vom Hadrianswall”
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken


(4 Bewertungen, im Schnitt 4,00 von 5)


