Blüten mit Antirutsch-Beschichtung
Donnerstag, 14. Mai 2009, 18:00 • Rubrik Biologie.
Blütenblätter verdanken ihr samtartiges Aussehen zapfenförmigen Zellen an ihrer Oberfläche. Die Funktion dieser Miniatur-Noppen ist jedoch keine optische, legen Experimente englischer Forscherinnen nahe. Vielmehr scheinen sie Bienen und anderen Insekten erst den nötigen Halt zu geben, damit sich diese an Pollen und Nektar bedienen können – und nebenbei für die Bestäubung sorgen.
Foto: Ianaré Sévi via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)
“Es ist großartig zu entdecken, dass die Evolution derart einfach sein kann”, sagt Beverley Glover von der Universität Cambridge. “Ich erforsche diese Zellen schon seit vielen Jahren und stets habe ich mich gefragt, ob ihr Vorhandensein auf derart schlichte Weise erklärt werden könnte.” Die Forscherin und ihre Kolleginnen präsentieren ihre Resultate im Fachblatt “Current Biology”.
Schätzungsweise 80 Prozent aller Blütenpflanzen weisen die zapfenförmigen Epidermiszellen auf. Dank der Noppenstruktur reflektieren ihre Blütenblätter weniger Licht und absorbieren im Gegenzug mehr davon. Dadurch erscheinen sie intensiver gefärbt und werden stärker durch die Sonne aufgeheizt. Die bessere Haftung wissen die Bestäuber allerdings unabhängig von diesen Effekten zu schätzen, ergaben die Experimente Glovers und ihrer Kolleginnen.
Die Forscherinnen konfrontierten Hummeln (Bombus terrestris) mit zwei Linien des Großen Löwenmäulchens (Antirrhinum majus), von denen eine aufgrund einer Mutation völlig glatte Blütenblätter bildet. Allein anhand dieses Merkmals konnten die Hummeln die Blüten unterscheiden. Und zumindest dann, wenn die Blüten vertikal standen, gaben die Insekten der “rauen” Linie klar den Vorzug.
Der Grund dafür wurde auf Filmaufnahmen deutlich: Bei der Landung auf glatten Kunststoff-Blüten tasteten die Hummeln die Oberfläche wieder und wieder mit ihrem mittleren Beinpaar ab, fanden jedoch keinen Halt und mussten weiter mit den Flügeln schlagen. Auf Kunststoff-Blüten mit naturidentischer Zapfenstruktur kamen sie dagegen rasch zur Ruhe.
Vor allem bei “schwierigen” Blüten, bei denen sich die Bestäuber erst den Weg zur Belohnung bahnen müssen, dürfte die bessere Haftung von großem Vorteil für die Insekten sein, vermutet Glover. “Ich gehe davon aus, dass alle landenden Bestäuber – einschließlich Bienen, Fliegen, Schmetterlingen, Fledermäusen und Käfern – eine Präferenz für diese Strukturen haben.” Blüten, die von schwebenden Kolibris oder Faltern bestäubt werden, könnten dagegen auf die Antirutsch-Beschichtung verzichten.
Forschung: Heather M. Whitney und Beverley J. Glover, Department of Plant Sciences, University of Cambridge; und andere
Online-Veröffentlichung Current Biology, Vol. 19(11), 15. Mai 2009
WWW:
Glover Group, University of Cambridge
Blüten
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