Posted in: Medizin, Psychologie 13. Mai 2009 13:09 2 Kommentare Weiter lesen →

Mehr Hirnsubstanz durch Meditieren

Grafik zeigt zwei Querschnittsbilder von Schädel und Hirn, darin gelb markiert eine kleine Region über dem rechten Auge Meditieren ist für das Gehirn, was Sport für die Muskulatur ist. Diesen Schluss legen die Resultate einer Hirnvermessung nahe, die amerikanische und deutsche Neurowissenschaftler durchgeführt haben. Bei jenen Teilnehmern, die seit Jahren regelmäßig meditierten, fanden sie in mehreren Gehirnregionen mehr graue Substanz.

Grafik: Eileen Luders, UCLA

Diese Regionen, unter anderem die Großhirnrinde über dem rechten Auge, seien an der Kontrolle von Emotionen beteiligt, erläutert Eileen Luders von der University of California in Los Angeles. Der Befund passe zu der Beobachtung, dass regelmäßig Meditierende sich durch Gelassenheit und emotionale Stabilität auszeichneten. “Die Unterschiede in der Gehirnanatomie könnten einen Ansatzpunkt zum Verständnis dieser bemerkenswerten Fähigkeiten liefern”, so die Forscherin.

Luders und Kollegen, darunter auch Christian Gaser vom Universitätsklinikum Jena, konnten 44 Personen für ihre Studie gewinnen. Die Hälfte davon praktizierte seit durchschnittlich 24 Jahren verschiedene Formen der Meditation. Mit einem hochauflösenden Kernspintomografen vermaßen die Forscher die Gehirne der Teilnehmer und nutzten dann verschiedene Methoden, um einzelne Regionen in den erhaltenen Modellen zu umreißen.

Die statistische Analyse der Daten ergab, dass die Meditierenden deutlich mehr graue Substanz im rechten orbitofrontalen Kortex aufwiesen. Zudem war der rechte Hippocampus in dieser Teilnehmergruppe klar größer, berichten die Forscher im Fachblatt “Neuroimage”. Auch in zwei weiteren Gehirnregionen besaßen die Meditierenden mehr graue Substanz, dieser Unterschied war allerdings weniger ausgeprägt. Umgekehrt ließ sich für die Kontrollgruppe in keiner Region ein Mehr an grauer Substanz bzw. Volumen feststellen.

Grundsätzlich könnten die Unterschiede in der Gehirnstruktur angeboren sein und überhaupt erst die Neigung zum Meditieren beeinflusst haben, so Luders weiter. Angesichts der erwiesenen Plastizität des Gehirns halte sie diese Erklärung jedoch für wenig plausibel. Ob die beobachteten Unterschiede auf einer größeren Zahl von Nervenzellen beruhten, einem größeren Zellvolumen oder einer unterschiedlichen Verschaltung, sei derzeit noch unbekannt.

Forschung: Eileen Luders, Arthur W. Toga und Natasha Lepore, Laboratory of Neuro Imaging, Department of Neurology, University of California, Los Angeles; Christian Gaser, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Jena

Veröffentlichung Neuroimage, Vol. 45(3), pp 672-8, DOI 10.1016/j.neuroimage.2008.12.061

WWW:
Laboratory of Neuro Imaging, UC Los Angeles
Structural Brain Mapping Group, Uni Jena
The Brain from Top to Bottom
Meditation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Graue Hirnsubstanz wächst durch Training
Meditieren verbessert die Aufmerksamkeit
Meditieren stärkt geistige “Muskeln”


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