Posted in: Biologie 13. Mai 2009 01:01 Weiter lesen →

Gewaltsame Artbildung

Foto zeigt dunkle Wanze auf Fels, daneben im Wasser, ihr zugewandt, einige kleine, rosige Fische Wie sich Arten in neue aufspalten, ist eine der großen Fragen der Biologie. Untersuchungen eines Schweizer Forschers stützen nun die Vermutung, dass Fressfeinde diesen Prozess tatkräftig fördern können. Verirren sich mexikanische Höhlenfische in lichtdurchflutete Abschnitte ihres Baches, fallen sie demnach besonders leicht Raubwanzen zum Opfer.

Foto: Copyright Michael Tobler

Umgekehrt sind Fische von außerhalb der Höhle in dunklen Bachabschnitten besonders gefährdet, ermittelte Michael Tobler, derzeit an der Texas A&M University tätig. Im Verein mit den unterschiedlichen Umweltfaktoren, könnte der Räuber den genetischen Austausch zwischen den beiden Fischpopulationen einschränken und so die Entwicklung zu separaten Arten vorantreiben, folgert der Forscher im Fachblatt „Biology Letters“.

Tobler führte seine Versuche in der Cueva del Azufre im Süden Mexikos durch. In der „Schwefelhöhle“ entspringt ein Bach, dessen Wasser giftigen Schwefelwasserstoff enthält. Des ungeachtet leben darin mehrere Tierarten – neben riesenhaften Raubwanzen (Gattung Belostoma) beispielsweise auch der Atlantikkärpfling (Poecilia mexicana). Letzterer tritt in der Höhle als bleicher „Höhlenmolly“ mit reduzierten Augen auf. Nur wenige Meter weiter, vor dem Höhleneingang, lebt dagegen die normal entwickelte Form des Kärpflings.

Foto zeigt Blick in Höhle mit hellem Fels, milchig-hellblauen Wasserlachen Foto: Copyright Michael Tobler

Versuchsweise setzte der Biologe je einen Höhlen- und Oberflächenfisch zusammen mit einer Raubwanze in transparentes, durchlöchertes Plastikgefäß. Wurden diese „Gehege“ innerhalb der Höhle im Bach platziert, attackierten die Wanzen in vier von fünf Fällen die Oberflächenfische. Umgekehrt waren die Verhältnisse außerhalb der Höhle. Der Grund für die unterschiedliche Anfälligkeit dürfte darin liegen, dass die Oberflächenfische noch voll entwickelte Augen haben, während die Höhlenfische sehr sensibel für mechanische und chemische Reize sind.

„Es ist unwahrscheinlich, dass das Auseinanderstreben der beiden Populationen allein durch den Fraßdruck bewirkt wird“, betont Tobler. Wahrscheinlich stellten die Bedingungen in und außerhalb der Höhle unterschiedliche Ansprüche auch an das Fress- und Sozialverhalten der Fische, was ebenfalls zu der Aufspaltung beitragen könne.

Forschung: Michael Tobler, Department of Biology und Department of Wildlife and Fisheries Sciences, Texas A&M University, College Station

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0272

WWW:
Homepage Michael Tobler
Riesenwanzen
Speciation

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