Äquatortaufe für Riesenhaie
Donnerstag, 7. Mai 2009, 18:00 • Rubrik Biologie.
Riesenhaie werden im Winter von einer erstaunlichen Wanderlust gepackt, haben amerikanische Meeresbiologen mit Satellitenhilfe ermittelt. Vor der nordamerikanischen Küste markiert, schwimmen die imposanten Planktonfresser im Herbst weit nach Süden – einige überqueren sogar den Äquator.
Foto: Chris Gotschalk via Wikimedia.org (Public Domain)
“Tropische Gewässer sollten nicht länger als Schranke für demographische und genetische Verbindungen zwischen verschiedenen Riesenhai-Populationen betrachtet werden”, folgern Gregory Skomal von der Massachusetts Division of Marine Fisheries und seine Kollegen im Fachblatt “Current Biology”. Umso wichtiger sei es, die Bemühungen um den Schutz der zweitgrößten Fischart weltweit abzustimmen.
Riesenhaie (Cetorhinus maximus) werden in den Sommermonaten relativ häufig gesichtet, wenn sie mit weit geöffnetem Maul an der Meeresoberfläche schwimmen und in der Sonne zu baden scheinen. Dagegen war ihr Verbleib im Winterhalbjahr lange rätselhaft. Zwischenzeitlich wurde sogar vermutet, die Tiere könnten Winterschlaf am Meeresgrund halten.
Tatsächlich sind die bis zu zehn Meter langen Riesen im Winter höchst aktiv, belegt die Arbeit von Skomal und Kollegen. Die Forscher hatten vor der Küste Neuenglands 25 Exemplare mit Sonden versehen, die fortwährend Temperatur, Tiefe und Lichtintensität messen und sich nach einiger Zeit lösen, um zur Wasseroberfläche aufzusteigen und ihre Daten via Satellit zu übermitteln. Bis zu 423 Tage lang mussten die Forscher auf Lebenszeichen der Sonden warten. Sehr zu ihrer Verblüffung, tauchten einige davon in der Karibik und südlich der Amazonasmündung wieder auf.
Die Analyse der Messdaten ergab, dass die Riesenhaie zwischenzeitlich bis zu 9.000 Kilometer zurückgelegt und sich dabei nicht unbedingt am Festlandsockel entlanggetastet hatten. Und während einige Tiere sich vorwiegend nahe der Wasseroberfläche aufgehalten hatten, waren andere bis zu fünf Monate lang in Tiefen jenseits von 200 Metern abgetaucht. Die Gründe für die ausgedehnten Wanderungen seien unbekannt, räumen die Forscher ein. Vielleicht suchten die Tiere nach guten Nahrungsgründen, vielleicht aber auch nach Geschlechtspartnern oder günstigen Meeresgebieten für die Geburt des Nachwuchses.
Erst kürzlich hatte eine andere Forschergruppe über geringe genetische Unterschiede zwischen Riesenhaien in verschiedenen Meeren berichtet. Angesichts der neuen Resultate sei es denkbar, dass dieses Phänomen nicht etwa einen genetischen “Flaschenhals” widerspiegle, sondern einen regen genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Populationen, so Skomal. “Dies würde bedeuten, dass der globale Bestand des Riesenhais noch kleiner ist als bislang angenommen.” Die Autoren der genetischen Vergleichsstudie hatten den weltweiten Bestand auf weniger als 10.000 Individuen geschätzt.
Forschung: Gregory B. Skomal, Massachusetts Division of Marine Fisheries, Oak Bluffs; Simon R. Thorrold, Biology Department, Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts; und andere
Veröffentlichung Current Biology, Vol. 19, DOI 10.1016/j.cub.2009.04.019
WWW:
Massachusetts Division of Marine Fisheries
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