Posted in: Biologie, Chemie 22. April 2009 19:00 Weiter lesen →

Riechen, was krank macht

junge Ratte Mäuse haben eine feine Nase für Nahrung und Artgenossen, um die sie besser einen Bogen machen sollten. Das gilt im Wortsinne, haben Genfer und Bochumer Forscher entdeckt. In den Nasen der Nagetiere fanden sie Sensorproteine, die auf Verbindungen aus verdorbenem Futter und erkrankten Tieren ansprechen.

Junge Ratte. Foto: Oleg Kozlov /iStockphoto

Die gleichen Rezeptoren finden sich auch bei Ratten und Rennmäusen, berichten die Forscher um Ivan Rodriguez von der Universität Genf und Marc Spehr von der Universität Bochum im Magazin „Nature“. Die Proteine werden allerdings nicht im eigentlichen Riechepithel gebildet, sondern im Jacobsonschen oder vomeronasalen Organ an der Basis der Nasenhöhle.

Rodriguez, Spehr und Kollegen fahndeten in dieser „sozialen Nase“ nach bislang übersehenen Rezeptorproteinen. Sie entdeckten, dass fünf von sieben Genen aus der Familie der Formylpeptidrezeptoren (FPR) ausschließlich in den Riechsinneszellen im Jacobsonschen Organ abgelesen werden. Die in der Folge produzierten Membranproteine sprechen auf Verbindungen an, die auf Bakterien und Viren zurückgehen bzw. im Laufe einer Immunreaktion produziert werden.

Tatsächlich aktivierten diese „verdächtigen“ Verbindungen die Sinneszellen aus dem Jacobsonschen Organ der Tiere, ergaben die Tests der Forscher. Und auch ursprünglich unsensible Kulturzellen reagierten auf die Moleküle, nachdem die entsprechenden FPR-Gene in sie eingeschleust worden waren.

Zwar seien die Resultate noch kein endgültiger Beleg für die Warnfunktion der Rezeptoren, schreiben die Wissenschaftler. Das Spektrum der Verbindungen, auf die die Proteine ansprächen, sei jedoch ein starker Hinweis auf eine solche Funktion, wie sie auch im Einklang mit der ausgeprägten Sensibilität der Nager stehe.

Forschung: Stéphane Rivière, Ludivine Challet und Ivan Rodriguez, Département de Zoologie et Biologie Animale, Université de Genève; Daniela Flügge und Marc Spehr, Lehrstuhl für Zellphysiologie, Ruhr-Universität Bochum

Online-Veröffentlichung Nature, 22. April 2009, DOI 10.1038/nature08029

WWW:
Neurogenetics Lab, Uni Genf
Arbeitsgruppe Marc Spehr, Uni Bochum
Das vomeronasale Organ
G-Protein-gekoppelter Rezeptor

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wie Mäuse die Gefahr riechen

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